KeinSinnFilm


Genre: Komödie/Satire

Story:


Der selbstverliebte, unverantwortungslose Klatsch-Reporter Bill Weiger, welcher gern einen über den Durst trinkt, wird - zum Ärger von Nora Schirmer - in deren Kindertagesstätte, zur Ableistung von 300 Sozialstunden verknackt.
Die vermeintlich ruhige Zeit wird jedoch von den Rüpel-Rappern Odis und Sina gestört, welche verhindern wollen, dass Bill verhängnisvolle Fotos der Beiden in Umlauf bringt. Von dem Duo erpresst, muss er sich zwischen seiner Karriere oder einem Leben mit Nora und den Kindern entscheiden.


Info: Parodie auf eine Vielzahl deutscher Filme und Serien.


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oder Nutzung, auch auszugsweise, ist untersagt.


(Für das komplette Drehbuch, hier klicken)

Created with Sketch.





DREHBUCH


ERSTE EINSTELLUNGEN – INNEN- LEERE 2 RAUMWOHNUNG – BERLIN –
FRÜHER MORGEN


5 Uhr morgens. Während sich in der Hauptstadt Deutschlands die ersten Arbeitstätigen aus dem Bett quälen, um Ihren Berufsalltag zu beginnen, betritt Bill Weiger -Anfang 30-
seine geräumige 2-Raumwohnung im Berliner Viertel „Prenzlauer Berg“. Er ist anscheinend stark alkoholisiert und übermüdet. Er taumelt durch seine Wohnung, nimmt einen Schluck
unidentifizierbare Flüssigkeit aus einer Plastikfalsche zu sich und schmeißt sich mit letzter Kraft auf seine gemütliche Couch. Er liegt keine 5 Sekunden in seinen eigenen Pizzaresten
vom Vortag, als es lautstark an der Tür klingelt. Nach 5 weiteren langen Klingelintervallen, rafft sich Bill langsam auf. Als er die Wohnungstür öffnet, stehen ein Mann und eine
Frau vor ihm. Beide sind komplett in hellgrau gekleidet und begrüßen ihn mit breiten grinsenden Gesichtern. In Ihren Händen halten sie Broschüren mit dem Titel „Die Erlöser".
Beide tragen Brillen und wirken sehr steif und wunderlich.


Bill:
(reibt Käse und Salami von seiner Stirn)
Was?

Mann:
(redet leise aber bestimmt)
Hallo, hätten sie vielleicht etwas Zeit für ein kleines
Gespräch?

Bill:
Wer sind sie? Sind sie von der GEZ? Ich hab doch schon
tausendmal gesagt, dass ich keinen Fernseher habe.


Die Beiden Anhänger schauen knapp an Bill vorbei, hinüber zu seinem riesigen Flachbildfernseher, den man offensichtlich sehen kann.


Bill:
(schaut ebenfalls kurz zu dem Fernseher)
Das ist ´ne Attrappe.

Frau:
Deswegen sind wir nicht hier, Herr Weiger.

Bill:
(verunsichert)
Woher kennen sie meinen Namen?


Die Frau schaut etwas verwirrt zu seinem Namensschild an der
Tür.


Bill:
(sieht ihre Blicke und nickt)
Ach richtig.

Mann:
Herr Weiger, wir möchten sie Gott etwas näher bringen.

Bill:
Soll das etwa ´ne Drohung sein?
(greift mit seinem linken Arm hinter die Wohnungstür, nach
einer bereits positionierten Axt)

Mann:
(beschwichtigt ihn)
Nein keine Sorge, so war das nicht gemeint.


Bill legt die Axt wieder aus der Hand.


Mann:
(reicht ihm, eine seiner Broschüren)
Hier, unsere Kirche würde sich sehr über ihr Vermögen, ähhh,
ihren Beitritt bei uns freuen.

Bill
(blättert die Broschüre durch)
Ich weiß nicht recht. In der Broschüre hab ich weder leicht
bekleidete Hühner, noch Alkohol gesehen und das lässt
irgendwie auf nichts Gutes schließen.

Frau:
In unserer Kirche schwören wir dem bösen Alkohol-Satan ab.
Fleischeslust dient lediglich der Fortpflanzung und ist auf
maximal eine Frau begrenzt.


Bill schmeißt die Tür zu.

Die Sektenmitglieder klingeln an der nächsten Tür und eine alte klapprige Dame öffnet diese. Die Beiden grinsen sich siegessicher zu.


INNEN - BILL´S WOHNUNG


Bill zerreißt die Broschüre, setzt sich genervt auf seine Couch und schaltet den Fernseher an.
Im Fernsehen läuft ein Trailer für einen Film. Bill dreht lauter.

Eine bunte Schrift wird eingeblendet. „Moritz und Max – Schluss mit lustig!“
2 Teenager sitzen einem Polizisten gegenüber.
Einer der Teenager hat schwarze Haare und ist ziemlich kräftig, der andere
hingegen ist schlank und hat seine braunen Haare nach oben gestylt.


Polizist:
Fassen wir es noch einmal zusammen. Ihr beide werdet
angeklagt, wegen den folgenden 7 Streichen, ähhh...
Straftaten.
Ihr habt Unzucht mit den Hühnern einer Bäuerin getrieben und
sie anschließend aufgegessen.
Dann habt ihr eine Brücke manipuliert und während der
Hauptberufszeit gesprengt, es kamen hunderte Menschen ums
Leben.
Als nächstes habt ihr den Tabak eines Zigarettenherstellers
mit Arsen vergiftet. Diesmal gab es tausende Tote.
Des Weiteren habt ihr einem alten Mann giftige und
vorher provozierte Skorpione ins Bett gelegt.
Da gab es nur einen Toten.
Zum Abschluss seid ihr in eine Bäckerei eingebrochen. Als euch
der Besitzer auf frischer Tat ertappte, habt ihr ihn brutal
zusammengeschlagen, in Teig gerollt, dann in den Ofen gesteckt
und anschließend verzehrt.
Habt ihr etwas dazu zu sagen?
Max:
(voller Hass)
Ich würde es jeder Zeit wiederholen.

Moritz:
(ebenfalls hasserfüllt)
Ich bereue nichts.


Erneut wird der Titel des Films eingespielt.

Bill:
Was für ein Müll in Deutschland produziert wird ist echt nicht
zu fassen.


Sucht zwischen etlichem Müll auf seiner Couch nach etwas
bestimmten und zieht dann 3 BluRay´s aus der Sofaspalte. Bill nimmt die erste BluRay in die Hand. Auf dem Cover ist ein altes Pferd abgebildet. Daneben steht eine traurige schauende Frau mit rot-braunen Haaren, hinter ihrem Rücken versteckt sie ein Fleischermesser. 
Der Titel der BluRay lautet: „WESTWIND 6 - Endstation Wurstfabrik“.

Bill legt die BluRay bei Seite und schaut sich die 2. an.
Diese trägt den Titel: „Nicht das perfekte Geheimnis...da diese Filmidee mal wieder nur geklaut ist".
Auf dem Cover sieht man 2 Drehbuchautoren, welche einen Film schauen und nebenbei alles mitschreiben und sich freuen. Bill schmeißt die BluRay angewidert bei Seite.
Es bleibt nur noch ein Film übrig. Das Cover sieht wie folgt aus: In einem Kreis stehen mehrere eingeölte Männer die wie Wikinger angezogen sind. In diesem
Kreis sitzt eine Person mit roten Haaren und einem Helm auf dem Kopf. Sonst trägt die Person nichts. Sie himmelt die Wikinger an. Der Titel lautet:
„Wicky und die strammen Männer“.


Bill:
(überlegt)
Tja, wenn ich nur wüsste ob Wicky ein Typ oder ne Tussi ist.
Das hab ich noch nie erkannt.
(legt die BluRay ein)


Plötzlich klopft es an der Tür. Bill reagiert zunächst nicht, doch als das Klopfen nicht aufhört, entschließt er sich die Tür zu öffnen. Vor ihm steht nun, sein bester Freund und Arbeitskollege TONY. Tony ist ein schlanker, lockerer Typ, Mitte 20, welcher sein
Leben als freier Mann genießt und keinen Gedanken an Familie oder Beziehungen verschwendet.


Tony:
Ey Mann, was geht? Bist du bereit?

Bill:
Für was denn?

Tony:
(betritt die Wohnung)
Sag nicht, dass du es vergessen hast!
Du solltest echt weniger koksen. Hast du ein Bier da?

Bill:
(schaut auf seine Uhr)
Es ist halb 6 Uhr morgens!

Tony:
Du hast Recht. Hol mir lieber ‘nen Whiskey, ich bin
schließlich kein Penner. Tony betritt das Wohnzimmer und schaut auf den Fernseher, ohne
das man sieht, was gerade läuft. Man hört nur lautes Stöhnen.

Tony:
Alter…,?
(verzieht sein Gesicht vor Ekel)
Wieso ziehst du dir ‘nen Porno rein, in dem ein rothaariger
Kerl von mehreren öligen Männern verwöhnt wird?
(verrenkt seinen Kopf)
Oder soll das ne Frau sein?!


Bill schaltet hektisch den Fernseher aus.
Tony bedient sich derweilen selbstverständlich am Whiskey.

Bill:
Tony, was willst du hier?

Tony:
(enttäuscht)
Du hast es tatsächlich vergessen, stimmt’s?
Heute offenbart der wohl bekannteste Klimaforscher aller
Zeiten, die Lösung aller Probleme die unsere Natur und unser
Leben beeinflussen und da wollten wir hin, um einen
ausführlichen Bericht auszuarbeiten und zu veröffentlichen.

Bill:
(kratzt sich am Kopf)
Ach wirklich?

Tony:
(grinst)
Natürlich nicht. Wer interessiert sich schon für den
Klimawandel, Geschweigedem für diesen Eierkopf?
Heute passiert jedoch etwas viel Wichtigeres und Größeres.
Heute versöhnen sich die wohl bekanntesten Rapper aus der
Republik und wir werden live vor Ort sein und die ersten Fotos knipsen.

Bill:
Und wer interessiert sich dafür?

Tony:
Na unsere unterbelichteten klatschsüchtigen Leser! Wer denn
sonst? Es hat fast 7 Jahre gedauert, dass sich Odis und Sina
wieder vertragen haben. Durch einen Insidertipp weiß ich, dass
dieses erste Treffen heute 7 Uhr in einem Berliner-Musikstudio
stattfinden soll. Also haben wir ca. 1 Stunde Zeit, um dort
aufzukreuzen und die Fotos des Jahrhunderts zu machen.

Bill:
Des Jahrhunderts? Ich glaube da waren schon ein paar
bedeutendere Fotos dazwischen.

Tony:
Das bezweifle ich zwar, aber wir landen sicher in den Top 10.

Bill:
Na gut. Ich bin in 10 Minuten unten. Ich muss mich bloß noch
umziehen.

Tony:
Geht klar, ich warte unten.
(rümpft die Nase)
Was stinkt hier eigentlich so?

Bill:
Ne´ halb verweste Ratte, Opossum, oder Wiesel. Ich bin mir
nicht ganz sicher, aber auf jeden Fall etwas Verwesendes.


11 Minuten später.

Bill steigt ins Auto ein. Tony sitzt auf dem Beifahrersitz.


Tony:
(genervt)
Du hast 10 Minuten gesagt.


Bill fährt los, ohne auf Tony einzugehen.


AUSSEN - BERLINER MUSIKSTUDIO – KURZ VOR 7 UHR

Bill und Tony klettern über eine Feuerleiter auf das Dach des Musikstudios. Auf dem Dach angekommen, bewegen sie sich langsam auf ein kleines Fenster zu, welches direkt in das
Verhandlungszimmer des Gebäudes zeigt. Sie sehen die Beiden Rapper Odis und Sina. Sie befinden sich allein in dem Zimmer. Einer der beiden trägt eine Maske über dem Gesicht.

Bill:
Warum trägt der eine denn ne Maske?

Tony:
Einige behaupten das sei sein Markenzeichen. Andere meinen sie
ist seit einem Unfall in der Kindheit in seinem Gehirn
verwurzelt und ich denke dass er einfach nur hässlich ist.

Bill:
Oh Mann ist das kalt hier. Mach endlich diese bescheuerten
Fotos und dann weg von hier.

Tony:
Geduld Bill, Geduld. Ich brauch nur den unwiderlegbaren
Beweis, dass sie sich ausgesöhnt haben.

Bill:
Ich will hoffen, dass geht schnell von statten. Warum treffen
die sich eigentlich so früh, allein in ‘nem Musikstudio?
Wobei wollen die nicht gestört werden?

Tony:
Warte, ich glaub es tut sich was.


Beide schauen durch das Fenster und beobachten das Treiben. Sina macht einen Schritt auf Odis zu. Er hebt seine Hand und streift Odis zärtlich über die Maske und diese nun vorsichtig
ab. Er legt sie bei Seite. Beide sehen sich tief in die Augen und fangen nun an sich sanft zu küssen. Bill und Tony schauen angewidert zu. Tony macht schnell ein paar Fotos.

Bill:
Spinnst du! Wenn die uns bemerken, sind wir tot. Das sind gefährliche Gangsterrapper.
 
Tony:
(spöttisch)
Aber sicher doch. Meine Beine schlottern schon vor Angst, wegen den warmen Gangstern.

 
Er will soeben weitere Fotos schießen, doch als er nach unten schaut, sieht er 2 Waffen auf sich gerichtet die nun abgefeuert werden. Sie verfehlen ihr Ziel da Tony sich zur Seite wirft.
 

Tony:
Okay, wir sollten vielleicht doch gehen.

 
Die beiden Flüchten vom Dach. Rennen zum Auto und rasen mit quietschenden Reifen davon. Ihnen wird noch hinterher geschossen, die Kugeln beschädigen jedoch lediglich die Heckscheibe. Tony und Bill kommen mit dem Schrecken davon.
 

Tony:
Wow, das war echt der Hammer.
 
Bill:
Bist du noch ganz sauber? Wir hätten drauf gehen können.
 
Tony:
Ach Quatsch. Studien beweisen, die Wahrscheinlichkeit ist größer, dass wir noch während dieser Autofahrt sterben, als wenn 2 schwule Möchtegernrapper auf uns ballern.
 
Bill:
Du hast recht die sollten mal in einen Schießstand gehen, oder nach Amerika.
Wer stellt eigentlich solche Studien auf?
 
Tony:
(holt einen Laptop nach vorn)
Ich. Ich poste so was im Internet. Hier in meinem Blog.
 
Bill:
(schaut nach vorn und sieht, dass Tony geradewegs auf eine junge Frau zusteuert)
Hey Tony da vorne.
 
Tony:
(immer noch mit dem Laptop beschäftigt)
Ja, ja.
 
Bill:
(lauter)
Tony.
 
Tony:
Ich hab‘s doch kapiert.
 
Bill:
(zeigt nach vorne)
Da ist jemand…
 
Tony:
Ich hab doch gesagt, dass ich´s kapiert habe. Dort steht ne Frau mit Hornbrille auf der Straße. Denkst du etwa, dass ich ein verantwortungsloser Autofahrer bin?

 
In diesem Moment erfasst das Auto die junge Frau und sie wird durch die Luft geschleudert. Das Auto von Tony hält ein paar Meter weiter. 
 

Tony:
(schaut aus dem Auto zu der Frau und brüllt)
Mach doch die Augen auf, du bist ja eine Gefährdung für den Straßenverkehr.

 
Tony nimmt sich einen großen Schluck aus einer Bierfalsche und schmeißt sie der Frau entgegen.
 
Im Hintergrund ertönt eine Polizeisirene und Blaulicht leuchtet auf.
 

Tony:
Oh Fuck. Nicht schon wieder. Ich hab mir nach den letzten 3mal geschworen, nicht noch einmal Fahrerflucht zu begehen.
(schaut sich hektisch um und dann zu Bill)
Ich glaub ich hab eine Idee, die alle unsere Probleme lösen könnte.
 
Bill:
Wieso unsere Probleme? Du hast Mist gebaut. 
Und was für eine Idee bitte?

 
Nach diesem Satz, schlägt Tony, Bill mit seinem Laptop bewusstlos und tauscht mit ihm den Platz.
Als die Polizei bereits vor Ort ist, wacht Bill auf dem Beifahrersitz auf. Auf seinem Kopf hat er einen Trinkhelm, an dem 2 Whiskyflaschen befestigt sind, die mit Strohhalmfunktion in seinem Mund stecken. In seiner linken Hand hält er eine Zigarre und in der anderen ein Handy. Ein Polizist steht neben dem Auto und sieht ihn entsetzt an.
 

Polizist:
Das ist nach dem dem Film "Isi" und Ossi" echt das 2. Schlimmste was ich jemals in meinem Leben gesehen habe.
 
Tony:
(lehnt sich vom Beifahrersitz hinüber)
Außerdem hat er raubkopierte Filme im Kofferraum.

 
EINBLENDUNG 1 WOCHE SPÄTER
 

INNEN – GERICHTSSAAL – MITTAGSSTUNDEN
 
Bill sitzt auf der Anklagebank des Gerichts und schaut gelangweilt zur Richterin.

 
Richterin:
Bitte erheben sie sich zur Urteilsverkündung.
Herr Weiger, zweifelsohne sind sie in ihrem ganzen Leben noch nie straffällig in Erscheinung getreten. Doch auf Grund der Schwere des Verbrechens, kann ich nicht auf den Wunsch ihres Anwalts eingehen, dass sie mit einer Geldstrafe davon kommen.
Sind sie sich überhaupt im Klaren, was sie getan haben? Auf Grund der Erstellung von Raubkopien, in 2 Fällen, verurteile ich sie zu 5 Jahren Gefängnis. Außerdem verurteile ich sie, wegen Trunkenheit am Steuer, Handy am Steuer, Rauchen am Steuer, wegen der versuchten Fahrerflucht und der vorsätzlichen Körperverletzung zu einer Geldstraße von 500 Euro und das sie sich bei uns allen Entschuldigen und Versprechen das sie das nie wieder machen.
 

Bill:
Was? Das ist doch totaler Schwachsinn. Ich will nicht ins Gefängnis.
 
Anwalt:
Wir beantragen, dass die 5 Jahre Haft in Sozialstunden umgerechnet werden, die er dann in einer sozialen Einrichtung abarbeiten muss.
 
Richterin:
Gut, statt 5 Jahren Haft, werden sie 300 Sozialstunden in einer Kindertagesstätte hier in Berlin ableisten. Aber die Entschuldigung und die 500 Euro bleiben bestehen. 
 
Bill:
Okay. Es tut mir Leid und ich werde es nie wieder tun.
Versprochen.
 
Richterin:
Sehen sie, es geht doch.
(macht ihr prallgefülltes Portemonnaie auf)
Und jetzt her mit den 500 Mücken, Weihnachten steht vor der Tür.

 

INNEN – RESTAURANT – KURZ NACH DER VERHANDLUNG

 

Bill sitzt an einem schöngedeckten Tisch. Vor ihm sitzt eine blonde Dame die in seinem Alter ist. Ebenfalls am Tisch sitzt ein kleiner Junge. Ihr Name ist Sabrina.

 

Bill:
300! 300 Stunden. Ich komm einfach nicht drüber hinweg.
 
Sabrina:
Wie 300? Könntest du mal die ganze Geschichte erzählen.
 
Bill:
Ach ja, die Verhandlung war ja heute. Ich wurde zu 300 Stunden Sozialarbeit verknackt, in einem Kindergarten.
 
Sabrina:
Da bist du doch noch ganz gut weggekommen.
 
Bill:
Gut? Ich bin unschuldig. Tony dieser Vorbestrafte Dummkopf hat mir das alles angehangen.
 
Sabrina:
Das hört sich aber gar nicht nach Tony an. Da spricht wohl der Alkohol aus dir.
 
Bill:
Was? Tu nicht so, als wäre ich Süchtig.
 
Sabrina:
Ich sag’s mal so. Du bist mit dem Auto da und das ist bereits deine 6. Bierflasche. 
 
Bill:
Erstens waren es 7 und zweitens liegt das daran das die Barfrau mir die Dinger aufschwatzt.
 
Sabrina:
Ne Barfrau? Das Bier hast du aus ‘nem Supermarkt mitgebracht.
 
Bill:
(überlegt kurz)
Richtig, jetzt fällt es mir wieder ein. Aber das hab ich nur geholt weil ich Durst hatte und weil mir mein Essen nur mit ‘ner Menge Bier intus schmeckt. Sonst brauche ich Bier eigentlich nur, um Morgens besser aus dem Bett zu kommen, oder um den Tag zu überstehen. Ach so und um Abends einzuschlafen. Aber mehr nicht. Das bedeutet nicht gleich, dass ich süchtig bin. Eher im Gegenteil, ich habe es unter Kontrolle.
(nuckelt an seiner leeren Bierflasche)
Hast du etwa den letzten Schluck getrunken?
 
Sabrina:
(empört)
Was? Nein, das warst du.
 
Bill:
(unterdrückt seine Wut)
Na wenn du es sagst.

 

Die Kellnerin kommt an den Tisch.

 

Kellnerin:
Guten Tag die Dame und guten Tag…
(ihr schläft das Gesicht ein)
Bill? Du hier? Ich dachte du musst Kängurubabys in Australien züchten?
 
Bill:
(erst vollkommen überrascht und sucht dann nach Worten)
Ach ja. Das kann ich dir ganz einfach erklären und zwar…
(überlegt)
Die Kängurus meinten,…
Ach komm schon hör auf, wir wussten doch beide das ich Schwachsinn erzählt hab. Du hast das doch nicht etwa geglaubt?
 
Kellnerin:
Nein, eigentlich hab ich dir das nicht geglaubt. Erst als du mir ein paar Bilder zukommen liest, auf denen du mit Kängurubabys kuschelst.
 
Bill:
(lacht)
Oh Gott, für diese Fotos hab ich 8 Stunden am Photoshop gesessen damit es auch echt wirkt.
 
Kellnerin:
(schaut Sabrina an)
Was auch immer er sagt, glauben sie ihm nicht. Er wird sie nur flachlegen und sich dann nie wieder melden, außerdem hat er es im Bett nicht drauf.  
 
Sabrina:
(lächelt)
Es tut mir leid für Sie, dass sie auf meinen Bruder reingefallen sind. Aber dass er nicht gut im Bett ist, finde ich nicht, ich finde er wusste was er tat.

 
Die Kellnerin schaut die beiden und den Jungen angewidert an und verschwindet daraufhin.
 

Bill:
Wieso erzählst du das? Bist du verrückt? Das war ein Ausrutscher.
 
Sabrina:
(streichelt dem Kind am Tisch über den Kopf)
Aber aus diesem Ausrutscher, ist doch wenigstens etwas ganz tolles entstanden.
Oder?
 
Bill:
(nervös)
Willst du etwa sagen, das ist mein…?
 
Sabrina:
Nein, natürlich nicht. Das wäre viel zu krass für diesen Film. 
(schaut in die Kamera)
Wir sagen einfach es ist Zufall, dass er dir so ähnlich sieht und Bill der Zweite heißt.
(zwinkert Bill zu)

 

Das Bild schwenkt von den beiden weg und eine Etage höher zum Tisch von 2 jungen Frauen.
Ihre Namen sind Nora und Linda. Nora hat schwarze fettige Haare, eine schwarze Hornbrille und trägt unpopuläre Klamotten.
Ihre Freundin Linda dagegen, hat blonde gestylte Haare, viel Make-Up im Gesicht und auffällige, aufreizende und schrille Sachen.

 

Nora:
Tja, und dann meinte der Typ ich soll Pipi machen.
 
Linda:
(außer sich)
Pfui, vor ihm oder was? 
 
Nora:
Nein, nebenan im Badezimmer in einen kleinen Plastikbecher.
 
Linda:
Was ist das denn für ein Perversling? Hast du´s gemacht? 
 
Nora:
Ja, na klar.
 
Linda:
(überrascht und neugierig zugleich)
Nora, du überraschst mich jedes Mal aufs Neue und was ist dann passiert?
 
Nora:
Er hat den Becher genommen…und den Inhalt untersucht.
 
Linda:
(verzieht ihr Gesicht)
Untersucht? Wie ging´s dann weiter?
 
Nora:
Ja und dann hat er gesagt bei mir wäre alles okay und das ich mir am Empfang einen Termin in einem halben Jahr geben lassen soll.
 
Linda:
(verwirrt)
Erzählst du mir gerade eine Geschichte von deinem letzten Arztbesuch?
 
Nora:
Ja, was denn sonst?
 
Linda:
Ich dachte hier geht’s um ein Date mit ‘nem Typen.
 
Nora:
Nein. Du weißt doch selbst, dass ich seit über 1 Jahr keinen Kerl mehr hatte.
Der Letzte war so unnormal, dass ich mich erst mal von Männern erholen muss. Du weißt doch, Jean-Baptiste.
Der Typ wollte mich zu ‘nem Parfüm verarbeiten. Anfangs dachte ich er wolle bloß Geld für Geschenke sparen, denn Parfüm ist ja ziemlich teuer. Aber als er mich umbringen wollte, war Schluss. Gleich nach 3 Monaten hab ich ihn abserviert.
 
Linda:
Sonst war zwischendurch nichts mehr? Kein bisschen?
 
Nora:
Tja, da war noch Hans.
 
Linda:
Hans? Der Lehrer? Der Typ hat doch nur genervt.
 
Nora:
Also ich fand ihn witzig.
 
Linda:
Witzig? Wenn ich nen unlustigen Lehrer sehen will, dann schau ich mir ein Programm von Dieter Nuhr an. 
Ich bin der Meinung du brauchst einen neuen Stecher, so wie ich letztens.
Der Typ hatte sogar seine eigene Band mit 5 Kumpels gegründet.
 
Nora:
Ne Band? Etwa was Bekanntes?
 
Linda:
Noch nicht, aber sie sind auf den besten Weg dahin. Sie machen Gangster Hip Hop.
 
Nora:
Ich hab erst gestern gelesen, dass die alle schwul sein sollen.
 
Linda:
Ich hab die Fotos auch gesehen. Aber die Typen sind anders. Die werden bald groß rauskommen,  merk dir einfach den Namen der Gruppe:
Glaub mir.
 
Nora:
Das hört sich bescheuert an.
 
Linda:
Weißt du was? Du musst meinen Freund  jetzt nicht runterputzen, bloß weil du frustriert bist.
 
Nora:
(empört)
Ich bin nicht frustriert.
(wird laut)
Ich lass mich nur nicht gleich, mit jedem x-beliebigem Typen ein, so wie du.

 

Steht auf und verlässt wütend das Restaurant.
 
AUSSEN – TONY´S AUTO – MORGEN

 
Tony und Bill sitzen im Auto vor dem Kindergarten, draußen spielen einige Kinder im Garten.
 

Bill:
Oh man, ich hasse Kinder so sehr.
 
Tony:
Das hast du dir selber eingebrockt Schlucki.
 
Bill:
(wütend)
Was? Daran bist doch nur du Schuld. Bloß weil du nicht in den Knast wolltest, hast du mich vors Loch geschoben.
 
Tony:
Weißt du was? Die Wahrheit zu verzerren macht man nicht, oder willst du dich mit der Berichterstattung von den Medien, bei Fußballspielen, auf eine Stufe stellen? 
 
Bill:
Ich sag doch nur die Wahrheit.
 
Tony:
Ja, das sagen die auch. Obwohl jeder weiß, dass sie dreckige Lügner sind und sich schämen sollten, so etwas zu verbreiten.
 
Bill:
Weißt du was? Lassen wir das. Ich werde jetzt rein gehen.
 
Tony:
Ach so, bevor ich es vergesse. Ich hab dir was besorgt, damit kannst du bei den Kindern gleich mal punkten. Holt eine große Thermoskanne hervor.
 
Bill:
Was ist das?
 
Tony:
(selbstverständlich)
Na ne Thermoskanne. 
 
Bill:
Nein, ich meine was drin ist?! 
 
Tony:
Die ist voll mit leckerem Tee, Kinder lieben Tee.

 

Tony will Bill die Kanne reiche. Diese ist jedoch undicht und ein brühendheißer Schwall Tee landet auf Bill´s Hose in seinem Schritt.
 
Bill brüllt wie am Spieß.

 

Bill:
Was sollte das, du Idiot?
 
Tony:
Entschuldige, ich glaube die war nicht ganz dicht.
 
Bill:
Ach was, genau wie du! Gib mir was zum kühlen. Der Tee sickert bis durch die Unterhose und wird nicht kälter.
 
Tony:
(klettert nach hinten in sein Auto)
Was zum kühlen, was zum kühlen.

 

Schaut sich hektisch um und kramt aus einer Einkaufstasche eine Dose Sprühsahne hervor.

 

Tony:
Hier, nimm das. Die hab ich vorhin erst besorgt die kühlt garantiert.

 

Bill grabscht nach der Sahne und sprüht sich eine Menge auf seine Hand und fährt sich mit dieser in die Hose.

 

Bill:
Ohh, Gott, tut das gut.

 

Ein Polizist läuft so eben an dem Auto der beiden vorbei. Als er beiläufig in das Innere des Wagens sieht, fährt er von einem Moment zum anderen entsetzt zusammen.
Er sieht, wie Bill mit erleichtertem Gesicht, auf dem Beifahrersitz sitzt. Seine Hand steckt immer noch in seiner Hose. Außerdem schaut Bill unabsichtlich in Richtung des Kindergartenspielplatzes hinüber. Der Polizist klopft an die Scheibe.

 

Bill:
(kurbelt grinsend die Scheibe nach unten)
Ja bitte?
 
Polizist:
Nehmen sie sofort ihre Hände nach oben.

 

Bill zieht seine Hände nach oben. An seiner rechten Hand klebt noch ein beachtlicher Teil der Sahne.

 

Polizist:
(zieht seine Waffe)
So, du perverses Dreckschwein. Sofort aussteigen.

 

Nun realisiert auch Bill die Reaktion des Polizisten.

 

Bill:
Moment, Moment. Es ist nicht das, wonach es aussieht. Ich hab dafür eine Erklärung.

Polizist:
Ihr Schweine habt doch immer für alles eine Erklärung und Entschuldigung. Meine Kindheit war so schwierig, ich hatte nie eine Freundin, Bla bla bla. Nicht mit mir Junge. Du wanderst in den Bau.

 

Bill steigt aus und bleibt vor dem Wagen stehen.

 

Tony:
(steigt ebenfalls aus)
Ich kann das erklären, werter Herr.
 
Polizist:
(zielt auf Tony)
Mit dir hab ich nicht geredet Arschloch. Du kommst genauso hier her und immer schön die Hände hoch.

 

Durch den Tumult sind einige Passanten auf die 3 aufmerksam geworden. Ebenfalls Nora, die Kindergärtnerin. Sie nähert sich den dreien.

 

Nora:
Bill? Bist du das?
 
Polizist:
Sie kennen den Mann?!
 
Nora:
Notgedrungen ja. Das ist unser Aushilfskindergärtner.
 
Polizist:
Aushilfs… was?
 
Nora:
Er fängt heute an, bei uns seine Sozialstunden abzuarbeiten.
 
Polizist:
Diesen Perversen wollen sie auf die Kinder los lassen? 
 
Nora:
Er ist zwar so einiges, aber sicherlich kein Perversling in dem Sinn, was sie vielleicht denken.
 
Polizist:
Ich werde ihn trotzdem mit aufs Revier nehmen müssen, wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses.
 
Nora:
Können sie nicht bitte ein Auge zudrücken Herr Wachtmeister?
Ich brauche ihn heute unbedingt, sonst bekommen die Kinder nie ihr neues Klettergerüst. Er soll es heute noch aufbauen und die Kinder freuen sich bereits schon so lange darauf.
Der Kinder wegen.
(lächelt ihn freundlich an)
 
Polizist:
(zweifelt einen Moment)
Okay, ich lass dich noch einmal davon kommen. Aber noch so ein Ding und du bist weg vom Fenster. Bedanken sie sich bei ihrer netten Chefin.

 

Bill verleiert die Augen.

 

Nora:
Ich danke ihnen vielmals. Sie haben das Herz am rechten Fleck.
 
Polizist:
Ich…ich bin ja auch schließlich Polizist. Da gehört das dazu.
 
Bill:
(ganz leise)
Sicher doch.
 
Polizist:
Was war das?
 
Bill:
Nichts, nichts.
(zeigt in Richtung Kindergarten)
Ich muss jetzt arbeiten gehen, Kletterdings aufbauen oder sowas. Man sieht sich.

 

INNEN- KINDERGARTEN – MORGEN

 

Bill:
(schaut sich um)
Mmh, hier wohnst du also?
 
Nora:
Was? Nein, hier arbeite ich.
 
Bill:
Auch nicht besser. Wo steht der Fusel? 
 
Nora:
Bill, ich glaube du verstehst hier etwas falsch. Das ist ein Kindergarten. 
 
Bill:
Heißt das, es gibt nur gering Prozentiges?
 
Nora:
Hier gibt es und wird es auch niemals Alkohol geben.
 
Bill:
(zieht eine Flasche Korn aus seiner Jackentasche)
Und schon liegst du falsch.
 
Nora:
(entreißt ihm die Flasche)
Her damit.
 
Bill:
Puppe, mach dich locker. Bloß weil du dem Polizisten nenn Bären aufgebunden hast, dass wir uns kennen und du somit meinen Arsch gerettet hast, bin ich dir trotzdem nichts schuldig.
 
Nora:
Einen Bären aufgebunden? Du kannst dich also nicht an mich erinnern?
 
Bill:
Ganz ehrlich. Ich erinnere mich nicht mal mehr daran wo ich momentan wohne, die letzte Nacht hab ich in einem Haus einer türkischen Familie verbracht und wurde heute gegen um 7 Uhr mit ‘nem Dönerfleischschaber aus dem Haus gejagt. Ich hab nicht mal einen Dank dafür bekommen, dass ich ihr Badezimmer geputzt habe. Auch wenn ich es keine 10 Minuten später, wieder voll gekotzt habe. Der Gedanke zählt doch.
 
Nora:
Du kennst mich. Ich heiße Nora. Nora Schirmer.
 
Bill:
(nickt)
Ach so Nora Schirmer. Jetzt weiß ich´s wieder. Ich dachte du wärst jetzt ein Mann.
 
Nora:
Wer erzählt denn so ein Schwachsinn?
 
Bill:
Das hab ich von Tony gehört.
 
Nora:
Von Tony? Der Typ lebt echt immer noch?
 
Bill:
Mehr oder weniger. Aber schön dich wieder zu sehen… und schön das du kein Kerl bist.
 
Nora:
Schön mich wiederzusehen? Sag mal, willst du mich verarschen?
Das letzte Mal als wir uns gesehen haben, wurde ich wegen dir von der Schule verwiesen. Du hast Soft-Guns und Spielgranaten in meinem Schulranzen deponiert, um mich dann von der Polizei festnehmen zu lassen.
 
Bill:
(lacht)
Richtig. Irgendwie wars doch auch lustig.
 
Nora:
Lustig? Du hast ebenfalls eine Liste von angeblichen potenziellen Opfern beigelegt.
 
Bill:
Wegen dem einen kleinen Streich, kannst du mir doch nicht mehr böse sein.
 
Nora:
Das war nicht nur ein kleiner Streich.

 
EINE ERINNERUNG WIRD EINGESPIELT
 

Wir sehen Nora, als 12 jährige, eine Straße entlang laufen. Plötzlich stellen sich der 13-jährige Bill und einige andere Mitschüler vor sie.

 

Bill:
Hey Nora? Möchtest du vielleicht nenn Feuerwerksböller?
 
Nora:
(freut sich)
Ja na klar, warum nicht. Böller sind cool.

 

Bill überreicht der immer noch fröhlichen Nora, einen bereits angezündeten Böller.
Nora nimmt ihn entgegen, schaut ihn sich genau an und in diesem Moment explodiert er in ihrer Hand. Nora steht nun, mit einem komplett rußbedeckten Gesicht, vor den lachenden Kindern. Alle Kinder lachen lauthals weiter, in ihrer Mitte steht der lachende Bill.
Ein Junge drängelt sich von hinten, zu Bill durch. Es ist Tony als Kind.


Tony:
(lachend zu Bill)
Außerdem denkt sie darüber nach, sich zu ‘nem Mann um operieren zu lassen.

 
ERINNERUNG BEENDET
 
Bill:
Ich kann mich gar nicht dran erinnern, dass Tony schon damals dabei war.
 

Nora:
Das ist überhaupt nicht der Punkt. Du warst ein riesen Arschloch und das wirst du mir büßen. Jetzt kommt meine Rache.
 
Bill:
Das sind aber mal gar keine netten Worte einer Kindergärtnerin. Also mein Kind würde ich nicht freiwillig in deine Obhut geben. 
 
Nora:
Du hast doch gar keine Kinder.
 
Bill:
Doch. Ich bin mir zwar nicht ganz sicher, aber wenn ja, würde es erklären warum meine Schwester mich ab und zu Papa vor ihrem Kind nennt.
Na gut, lassen wir die Vergangenheit ruhen, ich muss mal etwas loswerden. Wo ist das Klo?
 
Nora:
(zeigt auf eine Tür hinter ihm)
Da durch und dann links.

 
Bill folgt dann Nora´s Anleitung. Er betritt das Badezimmer und dann die viel zu kleine Toilettenkabine. Er hebt den Klodeckel an und müht sich ab, halbwegs normal auf´s Klo zu gehen.

Kurze Zeit später.

Bill verlässt die Toilette. Im Waschraum sieht man einige Kinder, die durch die Dämpfe völlig benebelt sind. Er betritt den Garten. Eines der Kinder –ein kleiner Junge - kommt auf ihn zu.
 

Kind:
Hallo Mann, ich heiße Lars.
 
Bill:
Du musst mich verwechseln, ich heiße Bill Weiger. Nicht Mann.
(lässt Lars einfach stehen).

 

Bill nähert sich nun langsam einem erwachsenen Mann, welcher mit Latzhose, Basecape und einem Eimer in der Hand, auf dem Rasen sitzt. Bill schaut verwundert und spricht den Mann an.

 

Bill:
Gerd, bist du das? Was machst du denn hier?
 
Gerd:
Ich, was denn wohl? Spielen. Bis mich meine Mutti abholt.
 
Bill:
Alter, wir waren damals zusammen in einer Kindergartengruppe.
Was machst du noch hier?
 
Gerd:
Kennst du noch dieses Gefühl, von Freiheit und Unbeschwertheit? 
 
Bill:
Nein nicht wirklich. Diese Gefühle wurden durch Hass, Notgeilheit und Arbeitszwang verdrängt.
 
Gerd:
Siehst du, so wollte ich nicht werden. Also,…
 
Bill:
Hast du dich dazu entschieden, ewig ein Kindergartenkind zu bleiben.
 
Gerd:
Korrekt.
 
Bill:
Aha. Guter Plan. 
(zeigt auf Nora)
Na dann, ich muss mal.
 
 Gerd:
Ich muss auch, aber im Gegensatz zu dir, lass ich es einfach laufen. Darum kümmert sich Nora später.

 
Bill entfernt sich schnell von Gerd, in Richtung Sandkasten.
Er schaut den spielenden Kindern, in diesem kurz zu.
 

Bill:
(herrscht sie an)
Los raus da. Aber flott.
 
Kleines Mädchen:
Warum?
 
Bill:
Weil da Monster drin wohnen, die euch fressen wollen.

 

Die Kinder rennen schreiend weg.
Bill nimmt sich ein kleines Kissen und legt sich gemütlich, der Länge nach, in den Sandkasten.

 

Bill:
Hehe, doofe Kinder. Jeder weiß doch, dass es keine Monster gibt.
(in Gedanken)
Und wenn doch? Dann bin ich ihnen völlig wehrlos ausgesetzt.
(lautsprechend)
Nein, es ist heller lichter Tag. Es gibt definitiv keine Tagmonster.

 

Er schließt die Augen und atmet entspannt durch.
Plötzlich wird er jedoch von einer kalten Hand direkt im Gesicht hart getroffen. 

 

Bill:
(lautstark)
Lass mich in Ruhe Tagmonster.

 

Wedelt wie verrückt, mit seinen Armen vor sich herum und öffnet dann langsam seine Augen. Vor ihm steht die erzürnte Nora, mit verschränkten Armen vor der Brust.

 

Nora:
Was wird das, wenn’s fertig ist?
 
Bill:
Mittagsschläfchen. Wie damals im Kindergarten. 
 
Nora:
Es ist noch nicht mal um 10 Uhr. Außerdem sollst du hier arbeiten und nicht eine weitere Belastung für mich darstellen. Steh auf und bau unser Klettergerüst auf.
(schmeißt ihm eine große Bauanleitung entgegen)
 
Bill:
Was soll das denn sein?
 
 Nora:
(gehässig)
Das ist die dazugehörige Bauanleitung. Aber leider nur in Ukrainisch, tut mir Leid Bill.
 
Bill:
(erfreut)
Oh, zum Glück kann ich perfekt ukrainisch. Da sag mal einer, Schule sei nur dafür da, um andere Kinder zu drangsalieren.
 
Nora:
(entreißt ihm den Bauplan)
Her damit, das war doch der falsche.
(zieht einen weiteren Bauplan hervor)
Genau, das hier ist der Richtige. Und zwar auf Japanisch.
 
Bill:
Das geht auch noch, da hab ich mal 3 Jahre gewohnt und meine Freundin Schrägstrich Geisha hat mir die Sprache sehr gut beigebracht.
 
Nora:
(zerreißt erzürnt den Bauplan)
Das kann doch wohl nicht wahr sein.
Ach weißt du was, hier hast du den deutschen Bauplan. Du hast 2 Stunden Zeit, halte dich ran.
 
Bill:
(nimmt den Bauplan zur Hand)
Ach Mist, mir wären die anderen beiden lieber gewesen.
Deutsch ist so eine schwierige Sprache.
Na dann fangen wir mal an.

 

AUSSEN – KINDERGARTEN – 2 STUNDEN SPÄTER

 

Nora macht mit einigen Kindern, den Morgen Sport.
Sie steht vor den Kindern und macht die Übungen vor, welche die Kinder nachmachen.
Nora greift jetzt nach ihren Beinen und streckt ihren Hintern heraus. Als Bill dazu kommt, schaut er ihr lüstern zu.
Von der Seite nähert sich Lars. Es ist der Junge, der Bill, „Mann“ genannt hat.

 

Lars:
Ey Mann, haben sie eine Möhre in der Hose?
 
Bill:
(erschrickt vor dem kleinen)
Woher kommst du denn?
 
Lars:
(zeigt ein paar Meter weiter)
Von da.

Bill:
Wieso machst du keinen Sport?
 
Lars:
Ich genieß lieber die Aussicht, so wie du.
Freitags hat sie meistens knappe Shorts an.
 
Bill:
(interessiert)
Shorts?
(besinnt sich, dass er mit einem Kind redet)
Hey, bist du nicht ein bisschen zu jung für so was?
 
Lars:
Und sind sie nicht schon ein bisschen zu alt für so was?
 
Bill:
Du gefällst mir Kleiner. Wie ist dein Name?
 
Lars:
Lars. Das habe ich ihnen doch schon heute Morgen erzählt.
Haben sie das vergessen?
 
Bill:
Das hab ich vergessen, wahrscheinlich weil ich immer noch viel zu dicht war.
 
Lars:
(schaut etwas traurig)
Das sagt mein Papa auch immer, wenn er vergessen hat mich abzuholen und ich nach Hause laufen muss.
 
Bill:
Dein Papa hat dich trotzdem lieb.
 
Lars:
Er sagt, er würde mich jederzeit für eine heiße 18-jährige eintauschen. 
 
Bill:
Tja, mit ‘ner heißen 18-jährigen kannst du natürlich nicht mithalten.
(schaut sich den Jungen an)
Aber du bist trotzdem ganz okay.
 
Lars:
(glücklich)
Wirklich? Wollen sie nicht mein Papa sein?
 
Bill:
Lass uns lieber Freunde bleiben.
 
Lars:
Sind wir denn Freunde?
 
Bill:
Irgendwie schon. Du bist der einzige hier, mit dem ich mich länger als eine Minute unterhalten hab, ohne das Verlangen gehabt zu haben, mir den goldenen Schuss zu verpassen.
 
Lars:
Du bist lustig Mann.
(umarmt ihn)
 
Bill:
(streichelt über seinen Kopf)
Und du bist klein.

 

Nora kommt nun zu den beiden.

 

Nora:
(mit strenger Stimme)
Lars, ich hab doch gesagt, dass jedes Kind beim Morgensport dabei sein muss. Warum stehst du nicht bei den anderen Kindern?
 
Lars:
Aber, aber.
 
Nora:
Nichts aber, zurück zu den Anderen. Und halte dich von Bill fern, er ist kein guter Umgang.

 

Lars zieht enttäuscht ab.

 

Nora:
Was wird das hier wenn´s fertig ist?
 
Bill:
Was denn? Ich hab mich mit dem Kleinen gut unterhalten.
Er hat mich sogar umarmt, so eine Umarmung hab ich das letzte Mal in ‘nem Liliputaner-Puff bekommen.
 
Nora:
Du bist nicht hier, um einen schlechten Einfluss auf die Kinder auszuüben. Du bist hier, um zu machen, was ich sage. Ich habe gesagt, bau das Klettergerüst auf und nicht, belästige die Kinder.
 
Bill:
Belästigen? Der kleine hat gefragt, ob ich sein Papa werde. Das hat dich bestimmt noch kein Kind gefragt oder?
 
Nora:
Nein, warum auch? Welches Kind will schon eine Frau als Papa?

Bill:
So war das nicht gemeint. Ich war für,…
 
Nora:
(unterbricht ihn schroff)
Weißt du was? Ich will nicht mit dir rumdiskutieren, mach deine Arbeit und halte dich aus meiner raus.
 
Bill:
(unterdrückt seine Anspannung)
Okay. Was soll ich machen Madam?
 
Nora:
Ist das Klettergerüst denn schon fertig?
 
Bill:
Schon längst.
 
Nora:
(ungläubig)
Das will ich sehen.

 

Laufen um das Haus und stehen nun vor dem vermeintlichen Klettergerüst. Der Zuschauer sieht jedoch noch nicht was Bill wirklich gebaut hat.

 

Nora:
Was soll das denn sein?
 
Bill:
Na siehst du doch.
 
Nora:
Das ist ein Haus.

 

Das Bild schaltet auf das Holzblockhaus. Mit roter Farbe steht über der Tür folgender Schriftzug: „Coque au vin“.

 
 

Nora:
Koko was?
 
Bill:
(lacht)
Na, weißt du noch? Ich kann doch extrem gut, das Gericht Coque au vin. Das heißt Huhn in Rotwein und darum hab ich das Haus so genannt.
 
Nora:
Nein, so etwas hast du nie erzählt. Warum auch? Du redest eigentlich meist nur zusammenhanglosen, betrunkenen Müll. 
 
 Bill:
(völlig abwesend)
Manchmal frage ich mich ob „Mitten im Leben“ nur gespielt ist. Aber die perfekten Dialoge, die guten schauspielerischen Leistungen und die realistischen Bewegungen der Kameras lassen dann doch nur ein Entschluss zu, das ist das wahre Leben, wie wir es kennen.

 

Nora:
Siehst du, genau das meine ich. Die Kinder wollen ein Klettergerüst und kein Haus, mit einem saubescheuerten Namen, in dem natürlich etwas mit Alkohol vorkommt.
 
Bill:
Hey, es kommt auch das Wort Huhn drin vor.
 
Nora:
Du bist so inkompetent in Allem was du machst. Gibt es überhaupt etwas, was du kannst?
 
Bill:
Ob ich überhaupt etwas kann? Schau dir doch dieses Bauwerk an, dass dürfte 1000 Jahre überdauern.

 

Eines der Kinder bewegt sich auf das Haus zu und klopft ein Mal kurz an die Außenfassade. Kurz darauf stürzt das Haus komplett in sich zusammen.
Nora schaut ihn vorwurfsvoll an.

 

Bill:
(rechtfertigend)
Das Haus ist auch nicht dafür ausgelegt, dass man es so brutal anfässt.

 

Nora lässt Bill vor seinem Bretterhaufen stehen und geht in das Haus. Die Kinder folgen ihr.
Nur Gerd bleibt bei ihm stehen.

 

Gerd:
(klopft ihm auf die Schulter)
Du bist und bleibst ein Versager.
 
Bill:
(schlägt seine Hand weg)
Willst du mich verarschen? Ich glaube der 35-jährige, mit ‘ner vollgeschissenen erwachsenen Windel, ist ein viel größerer Versager als ich.
 
Gerd:
Wenn du tief in dich hinein horchst, weißt du, dass ich recht habe.
(lässt Bill stehen)

 

Bill folgt Nora und den Kindern in das Haus.
Innen angekommen, trägt Nora mit einer Küchenhilfe Essen für die Kinder auf.
Als er in den riesigen Topf schaut, aus welchem Nora mit einer großen Kelle Suppe schöpft, wird ihm schlecht.

 

Bill:
Die armen Kinder. Da kriegen ja selbst polnische Stopfgänse besseres Essen.
(überlegt kurz)
Obwohl sie es etwas brutaler zugeführt bekommen.

 

Er schüttelt sich vor Ekel und entfernt sich vorsichtig und ungesehen in den oberen Bereich des Hauses.
In diesem sieht es gleich weniger fröhlich aus. Weder Spielzeug liegt herum, noch wurden die Wände hübsch bemalt. Das obere Stockwerk besteht nur aus einem großen langen Gang, welcher an einer sperrigen Holztür endet. Alles wirkt hier oben gruslig und verlassen. Bill will gerade gehen, als er seinen Namen vernimmt. Erst denkt er, dass er sich dies nur eingebildet hat, doch die Rufe werden lauter und sein Name schallt immer wieder durch den Gang. Es ist eine Kinderstimme.

 

Bill:
Hey, wer ist da?
 
Stimme:
Bill, komm näher.
 
Bill:
Ich hab gefragt, wer da ist?
Tony?
 
Stimme:
Nein. 
 
Bill:
Lars?
 
Stimme:
Nein.
 
Bill:
Mama?
 
Stimme:
(genervt)
Hör auf zu raten.
 
Bill:
Mein Mathelehrer?
 
Stimme:
Was?
 
Bill:
Der hat auch immer gesagt, ich soll nicht raten.
 
Stimme:
Ach so. Nein.
 
Bill:
Sag mir doch deinen Namen. Oder hast du keinen?
 
Stimme:
Ähhhm, genau. Ich hab keinen Namen.
 
Bill:
Und wie soll ich dich dann nennen?
 
Stimme:
 Was weiß ich. Maria.
 
Bill:
Lieber nicht, ich hatte mal eine Freundin die so hieß. Schon beim Gedanken an sie wird mir schlecht.
 
Stimme:
(extrem wütend)
Jetzt komm schon hier hinter, du Vollidiot.
(fängt sich wieder)
Es tut mir Leid. Komm doch einfach her.
 
Bill:
Also Gut. Solltest du aber doch meine Ex-Freundin sein, dann versichere ich dir, ich bin immer noch schwul.

 

Bill bewegt sich langsam auf die Tür zu, umso näher er ihr kommt, umso mehr Angst bekommt er. Mit allem Mut öffnet er die Tür mit einem Ruck und betritt das Zimmer. In diesem Zimmer befindet nichts, außer einem kleinen Mädchen. Sie hat langes blondes Haar und trägt ein schön verziertes weißes Kleid. Sie trägt keine Schuhe.

 

Kleines Mädchen:
Schließ die Tür.
 
Bill:
Warum? Müssen wir ungestört reden?
 
Kleines Mädchen:
Nein, es zieht. Aber vorsichtig…

 

Doch Bill gleitet die Tür aus der Hand und knallt laut zu. Das kleine Mädchen lässt ein genervtes Geräusch von sich.

 
Bill:
Oh.
 
Kleines Mädchen:
Ich begrüße dich Bill.
 
Bill:
(schaut auf ihre nackten Füße)
Solltest du nicht lieber Schuhe tragen?
 
Kleines Mädchen:
Lass das mein Problem sein.
 
Bill:
Aber hier ist es echt kalt und ein Schiefer im Fuß ist auch kein schönes Gefühl.
 
Kleines Mädchen:
Bitte sei ruhig.
 
Bill:
Wie ist nun dein Name? Und warum bist du nicht bei den anderen Kindern?
 
Kleines Mädchen:
Mein Name? Mein Name ist Emma Tiger.
 
Bill:
Was ist das denn für ein bescheuerter Name? 
 
 
Emma:
Mein Vater ist süchtig nach Aufmerksamkeit und darum musste ich einen Namen bekommen der schockt und zugleich im Gedächtnis bleibt. Den vergisst man nicht so schnell.
 
Bill:
Das ist verständlich, Bill merkt sich keiner. Aber eine Emma Löwe merkt man sich.
 
Emma:
Tiger.
 
Bill:
Ja, das ist ein Tier. Den hast du bestimmt schon einmal im Zoo gesehen. Du bist ein pfiffiges kleines Mädchen.

 

Emma Tiger verleiert die Augen. 

 

Bill:
Warum bist du eigentlich hier oben und stopfst dir nicht mit den anderen Kindern unten den Bauch mit irgendwelchem Schleim voll?
 
Emma:
(haucht)
Weil ich nichts essen möchte.
 
Bill:
Diät?
(schaut sich die Kleine an)
Vertragen könntest du es schon.
 
Emma:
(schaut verärgert)
Nein, nicht deswegen. Ich kann die anderen Kinder nicht leiden. Ich bin etwas viel besseres. Mein Papa ist berühmt und darum muss ich mich nicht mit diesen normalen Kindern auf eine Stufe stellen. Darum verziehe ich mich stets hier nach oben und verlasse dieses Zimmer erst dann, wenn mein berühmter Papa mich abholt.
 
Bill:
Das klingt aber ganz schön verrückt.
 
Emma:
Verrückt? Warum? Ich will mich nicht mit diesen Normalos abgeben, mein Papa ist schließlich…
 
Bill:
(unterbricht sie)
Ja, ja. Ich hab‘s verstanden er ist berühmt.
 
Emma:
Die sind alle so kindisch. Sie sollten Karriere machen, so wie ich und sich Gedanken über ihre Zukunft machen. Ich wette keines dieser Kinder, weiß was es in 10 Jahren machen will.
 
Bill:
Das weiß ich ja noch nicht mal.
Außer das ich immer noch am Leben sein will.
 
Emma:
Ich hab dich heute unten gesehen und jetzt wollte ich fragen, ob wir uns über Rentenfonds unterhalten wollen. Eben wie Erwachsene. 
 
Bill:
Renten was? Weißt du was, Kleine. Du solltest es nicht so eilig haben, erwachsen zu werden. Das kommt früh genug und glaub mir, das wird dich noch früh genug anwidern. So wie mich. Leb deine Kindheit aus und lass sie dir nicht von deinem Vater wegnehmen. Du sollst Spaß haben und spielen und nicht schon irgendwelchen Jobs nachgehen.
 
Emma:
Spaß haben? Das letzte Mal hatte ich Spaß als ich 5 war und mit Barbys gespielt habe. Kurz danach fing ich schon an mit meinem Papa zu arbeiten. Das war das letzte Mal, als ich Spaß hatte und richtig Kind war.
 
Bill:
Das ist traurig. Hey Emma, weißt du wann ich das letzte Mal Kind war?
 
Emma:
Vor 50 Jahren?
 
Bill:
(kneift die Augen vor Wut zusammen)
Nein, so alt bin ich noch nicht. 
(wieder besser drauf)
Ich wollte sagen, dass es erst gestern war. Da hab ich 5 Stunden auf ‘nem Rummel verbracht, bis mir auffiel, dass ich schon seit über 2 Stunden im Gerichtssaal hätte sein sollen. Aber Emma, das war es wert.
Ich musste zwar 2000 Euro zusätzlich Strafe zahlen, aber das war es wert. Weil ich in dieser Zeit frei war und keine Zwänge hatte. Unbeschwertheit, dass sollte eine Kindheit ausmachen.
Das kannst du deinem Papa gerne von mir ausrichten. 

 

Emma lacht.

 

Bill:
Los, lass uns Kind sein.

 

Bill und Emma verlassen den dunklen Raum und begeben sich ins Untergeschoss.
Nora und alle anderen Kinder sitzen bereits am Mittagstisch, als plötzlich Emma und Bill in der Tür stehen. Nora schaut nicht schlecht, als sie die beiden sieht und eine völlig fröhlich Emma, Bill an der Hand hält.
Nora kommt auf die beiden zu, Emma geht zu den anderen Kindern die sie neben sich Platz nehmen lassen und etwas zu Essen abgeben. Emma strahlt.  

 

Nora:
Wie? Wie hast du das denn geschafft?
Ich versuche seit über 1 Jahr an sie heran zukommen.
Aber sie wollte immer da oben bleiben. Ich weiß nicht was ich dazu sagen soll.
 
Bill:
Vielleicht bin ich ja doch nicht so inkompetent in Allem was ich mache.

 

Zwinkert ihr zu und setzt sich zu den anderen Kindern.
Nora schaut ihm nach und kann sich nicht verkneifen ihm nachzuschauen und zu lächeln.
Die anderen Kinder unterhalten sich angeregt mit Bill.
Nora geht nun auch zu den Kindern. Bill lächelt Nora zu, sie schaut schüchtern weg.

 

AUSSEN – KINDERGARTEN – NACHMITTAG

 
Bill kommt völlig verschlafen aus dem Haus und betritt den Garten. In diesem wurde eine kleine Bühne aufgebaut.
Auf einem großen Plakat steht mit roten Buchstaben, Horst der Schlämmerbär und sein kleiner Freund Emil der vorlaute Esel. Nora kommt aufgeregt auf Bill zu.

 

Nora:
Bill wir haben ein Problem.
 
Bill:
Warum? Wurde der Bär zu ‘nem kuschligen Pelz verarbeitet?
(lacht über seinen bescheuerten Witz)
 
 
Nora:
Nein, der Assistent von Horst ist ausgefallen. Er hat sich den Arm gerbrochen.
 
Bill:
Esel haben Arme?
 
Nora:
Wir brauchen einen Ersatz, jemanden der den vorlauten Esel spielt. Und diese Rolle passt perfekt auf dich.
 
Bill:
Vergiss es, den spiele ich nur im wahren Leben.
 
Nora:
(bettelt)
Bitte, bitte. Für die Kinder. Für Lars, für Emma Tiger und für Gerd. 
 
Bill:
Warum nennst du gerade diese 3 Kinder? Bloß weil es die einzigen sind, die bis jetzt in diesem Film vorkamen? Warum nennst du nicht Ulfried da?

 

Bill zeigt auf ein kleines rothaariges Kind welches sich Insekten in den Mund steckt.

 

Bill:
(schreit)
Ulfried, ich hab dir gesagt das du das lassen sollst.
(schüttelt den Kopf)
Oh Mann, ich hasse dieses Kind.
Na gut, du hast Recht. Ich mache es für Emma, Gerd und Lars.
 
Nora:
Danke vielmals. Dafür schulde ich dir auch etwas.

 

Gerd kommt angerannt und drückt Bill der sich angewidert befreien will.

 

Bill:
Okay, ich will morgen dafür schon um 18 Uhr gehen.
 
Nora:
Der Kindegarten schließt sowieso 17 Uhr.
 
Bill:
Ja oder nein?! 
 
Nora:
Von mir aus du Esel. Und jetzt zieh dir das Billkostüm an.

 

Bill verschwindet hinter der Bühne und begegnet Horst dem Schlämmerbär. Er hat eine große runde alte Brille, eine zerzauste graue Perücke auf, einen grauen Schnauzbart und völlig schiefe Zähne. Sein ganzer restlicher Körper, ist von einem braunen Pelzanzug überzogen.

 

Bill:
Hey Horst wo ist mein Kostüm.
(schaut ihn sich an)
Und wann willst du dich umziehen?
 
Horst:
(brummt)
Sehr witzig, los zieh das an.

 

Schmeißt ihm einen grauen Ganzkörperanzug entgegen und eine Eselmaske. Er riecht daran und verzieht sein Gesicht.

 
 

Bill:
Oh Mann, so wie das riecht, könnte man denken dass da ein echter Esel drin gesteckt hat. Ich kotz gleich.

 

Die Kinder vor der Bühne werden schon ungeduldig und rufen lautstark nach Horst dem Schlämmerbären. 

 

Horst:
Dein Stichwort ist, „Ich hab euch auch noch jemanden mitgebracht“ und dann kommst du auf die Bühne. Der Rest ergibt sich von alleine.

 

Horst verpasst ihm einen Schlag auf die Schulter und betritt nun unter lautem Beifall und trampeln, die Bühne.
Bill zwängt sich in das Eselkostüm.

 

Horst:
Hallo liebe…
(liest von einem Zettel ab)
…Kinder. Ich bin Horst der…
(liest erneut ab)
…Der Schlämmerbär. Aber ich bin natürlich nicht allein zu euch gekommen, ich hab euch auch noch jemanden mitgebracht. Und zwar Emil der vorlaute Esel. Ruft alle laut nach Emil.

 

Alle Kinder rufen laut nach Emil. Sie rufen insgesamt 3 Mal. Erst nachdem Horst etwas ungemütlich seinen Namen brüllt, stolpert Bill als Esel verkleidet auf die Bühne.
Alle Kinder freuen sich über ihn.

 

Horst:
Hallo Emil, was hast du denn so lange gemacht?
 
Emil:
(verstellt seine Stimme)
Was ich gemacht habe? Ich musste erst mal eine Dose Deospray auf meinem Fell auftragen, da der Gestank so unerträglich war, dass ich fast draufgegangen wäre. Ich geb dir mal einen Tipp Horst, du könntest mich auch mal ab und zu waschen.
 
Horst:
Und du könntest jetzt mal die Klappe halten Emil. Denn keiner mag einen vorlauten und frechen Esel.
 
Emil:
Aber das ist doch mein Name. Emil der vorlaute Esel. Also bin ich auch vorlaut. Sonst hättest du mich Emil den zurückhaltenden Esel nennen müssen. 
 
Horst:
Geht in Ordnung Emil, hätten wir das auch geklärt.
(murmelt leise)
Du riesiges dummes Arschloch.
 
Emil:
Was war das?
 
Horst:
Nichts, ich hab nur gesagt das ich dich lieb habe.
(erneut leise und unverständlich für die Kinder)
Du Rindvieh.
 
Emil:
(mit erstem Ton)
Kinder. Ich glaube Horst geht es heute nicht so gut. Ich höre ständig schlimme Sachen aus seinem Mund.
Wollen wir ihm vielleicht seinen frechen Bärenmund mit Seife auswaschen?

 

Alle Kinder rufen laut JA!
Bill nimmt sich ein Stück Seife und bewegt sich auf Horst zu.

 

Horst:
Nein Kinder, Emil muss sich da verhört haben. Ich würde nie etwas Schmutziges sagen. Oder bist du etwa an der Eselgrippe erkrankt und hörst schon Gespenster? 
 
Emil:
Oh doch, ich hab es genau gehört mit meinen großen Eselohren.
(zeigt seine großen Ohren)

 

Die Kinder freuen sich bereits auf die Waschung.
Horst schlägt Bill nun die Seife aus der Hand und schupst ihn.
Bill revanchiert sich mit einem heftigen Stoß.

 

Horst:
Emil, du solltest dich vielleicht ein bisschen beruhigen.
Ich hab dich doch lieb.
 
Emil:
Okay, du hast Recht Schlämmerbär, ich habe etwas überreagiert.

 

Bill entfernt sich von Horst, doch dieser stellt ihm hinterhältig ein Bein. Er fällt ungebremst auf die Nase und bleibt kurz liegen.

 

Emil:
(rafft sich böse auf)
Das war zu viel, jetzt zieh ich dir das Fell über deine hässliche Visage.

 

Bill und Horst prügeln sich nun wie die Verrückten auf der Bühne. Die Kinder finden dies immer noch sehr amüsant und feuern Emil oder Horst an.
Nora geht nun auf die Bühne und bringt die beiden Streithähne auseinander.
Sie trennt das Duo und verabschiedet Horst herzlich.

 

AUSSEN – KINDERGARTEN - ABEND

 

Der Tag neigt sich dem Ende, Nora und Bill verabschieden die letzten Kinder, die von ihren Eltern abgeholt werden.
Bill will nun ebenfalls los machen.

 

Bill:
(steht am Tor nach draußen)
Bis morgen.
 
Nora:
Ich danke dir Bill.
 
Bill:
Ich hab zu danken, ich hatte heute viel Spaß und Ulfried hat mir sogar seinen Pudding geschenkt.
 
Nora:
Das war kein Pudding, das war ein Püree aus Insekten mit ‘ner Menge Zucker. Das bietet er jedem an.
 
Bill:
Das erklärt auch, warum ich mich nach dem Becher stundenlang übergeben musste. Ich dachte das liegt daran, dass ich heute so wenig getrunken habe.
 
Nora:
(lacht)
Mach‘s gut, bis morgen.
 
Bill:
Wieso bis morgen?
 
Nora:
Na du musst doch deine Stunden weiterhin absitzen.
 
Bill:
Ich dachte das hätte ich heute getan?
 
Nora:
Eine Schicht hat aber keine 300 Stunden. Das waren gerade einmal 8 Stunden. 
 
Bill:
(entsetzt)
Was? Dann sind das ja noch über 200 Stunden die ich arbeiten muss.
 
Nora:
Sieht wohl so aus.
 
Bill:
Fuck. Ich dachte heute ist Schluss. Ich hab Ulfried versprochen, morgen sogar 2 Becher von seinem Ekelpudding zu essen. Das hätte ich nie gemacht, wenn ich gewusst hätte, dass ich wiederkommen muss.
 
Nora:
(geht langsam ins Haus)
Bis morgen Bill und sei pünktlich.

 

Schließt die Tür und fängt an aufzuräumen.
Bill läuft betrübt nach Hause.
Plötzlich hält mit quietschenden Reifen ein Taxi neben ihm.
Er schaut in das Wageninnere und genau in einen Pistolenlauf.
Es sind Odis und Sina.


Sina:
Einsteigen.

 

Bill steigt ohne Wiederworte ein und das Taxi verschwindet in der Dunkelheit.

 

AUSSEN – ALTES FABRIKGEBÄUDE – SPÄTER ABEND
 
Das Taxi mit Odis, Sina und Bill hält vor einer alten verlassen Fabrik.
Alle samt dem Taxifahrer steigen aus. 

 

Taxifahrer:
So, das macht dann 28 Euro und 75 Cent.
 
Odis:
(gibt ihm das Geld)
Runden sie auf 28 Euro und 80 Cent auf.
 
Taxifahrer:
(sarkastisch)
Oh, wie großzügig.
 
Odis:
(hält ihm die Waffe an den Kopf)
Hast du irgendetwas gesagt alter Mann? 
 
Taxifahrer:
Hey, so alt bin ich gar nicht. Das machen die ständigen Nachtschichten. 
 
Odis:
Hab ich dich nach deiner Scheiß-Biografie gefragt? Her mit dem Restgeld.
 
Bill:
Wieso fahrt ihr eigentlich mit ‘nem Taxi? Habt ihr kein eigenes Auto?
 
Sina:
Hast du mal auf die Spritpreise geschaut Ölscheich?
 
Bill:
Für euch würde doch ein Smart reichen.
 
Odis:
Das ist doch schwul.
 
Taxifahrer:
(grinst)
Und sich in ‘nem Musikstudio, zu küssen wohl nicht?
 
Odis:
(hält ihm die Waffe an die Schläfe)
Du hälst jetzt die Klappe.
 
Sina:
(packt sich Bill)
So, jetzt rein da. Zuerst stopfen wir diesem Idioten das Maul und dann fahren wir in den Puff und besorgen uns ein paar weibliche Nutten, um unser Image wieder aufzubessern.
 
Odis:
(lacht)
Oh, ja. Frauen Nutten sind echt das Beste.

 

Sowohl Sina als auch Odis lachen sich nun kaputt. Der Taxifahrer setzt in das Lachen ein und stellt sich dazu.
Odis bekommt dies mit.

 

Odis:
(schupst den Taxifahrer)
Du nicht du Opfer.

 

Sina und Odis schnappen sich nun Bill, der Taxifahrer fährt davon und die 3 betreten die alte Fabrik.
Sie führen Bill in einen kleinen Raum, in diesem Raum sitzt Tony auf einem Stuhl gefesselt und geknebelt. Bill wird ebenfalls gefesselt.

 

Odis:
(zieht Tony den Knebel aus dem Mund)
Wer hat dich denn geknebelt?
 
Tony:
Ich. Mir war langweilig.

 

Odis verpasst ihm eine mit der Waffe.

 

Tony:
Aua. Wieso zweckentfremdest du die Waffe? Nimm dir doch nen Knüppel wenn du mich schlagen willst.
 
Odis:
Halt deine Klappe.
 
Sina:
Ihr wisst warum ihr hier seid?
 
Tony:
Vielleicht um mit euch ‘nen Track für euer nächstes Album aufzunehmen?
 
Sina:
Das auch. Aber in aller erster Linie, um eure bescheuerte Lügengeschichte richtigzustellen. 
 
Bill:
Welche Lügengeschichte? Etwa die, wo wir aufgedeckt haben, dass die Idee von Stromberg nur billig geklaut ist. Das ist keine Lüge, dafür gibt es tausend Beweise und nur der angebliche deutsche Erfinder sagt, dass es eine Lüge ist.
 
Odis:
Das doch nicht. Die Sache über unsere angebliche Homosexualität.
 
Tony:
Ach die Schwuchtel-Story!

 

Odis verpasst ihm erneut eine mit der Waffe.

 

Tony:
Ey, langsam tut´s aber echt weh.
 
Sina:
Was auch immer ihr da angeblich gesehen habt, ihr müsst es falsch aufgefasst haben.
 
Tony:
Du hast ihm die Zunge fast bis in den Magen gerammt, was gibt’s da falsch aufzufassen?
 
Odis:
Das machen alle Rapper so, wenn sie sich dazu entschlossen haben, ein gemeinsames Album rauszubringen. Damit zeigen wir dem anderen, dass es uns ernst ist und dass wir für dieses Album jetzt eins werden.
 
Tony:
Ich weiß auch nicht. Klingt irgendwie immer noch ziemlich schwul.

 

Sina entreißt Odis die Waffe.

 

Sina:
(hält ihm die Waffe unter das Kinn)
Ihr werdet mir jetzt schön zuhören. Gleich morgen werdet ihr eine Richtigstellung dieser Story veröffentlichen. In der ihr erklärt, dass das alles nur ein riesen Missverständnis war und das ihr das falsch aufgefasst habt. Somit denken dann alle, dass wir wirklich hetero sind.
 
Tony:
Also sollen das bloß alle denken?
 
Odis:
Richtig.
 
Tony:
Also seid ihr jetzt doch schwul? Ich versteh es nicht.
 
Sina:
Nein.

 

Odis sagt jedoch im selben Moment „Ja“.

 

Tony:
Ich komm nicht mehr mit.
 
Sina:
Stellt einfach diese Story richtig und ihr bleibt am Leben.
Verstanden?
 
Bill:
Verstanden.

 

Tony sagt nichts.

 

Sina:
(drückt seine Waffe näher an ihn heran)
Ich habe gefragt ob ihr es verstanden habt? 
 
Tony:
Ich habe Angst, wenn ich nein sage, dass ihr mich wieder mit der Waffe verprügelt.

 

Sina schaut ihn eine Weile wütend an und schlägt ihn dann erneut mit der Waffe.
 
INNEN – BILLS WOHNUNG – FRÜH
 
Bill hat die ganze Nacht zusammen mit Tony die Story für die Rapper auf die Beine gestellt. Sie sind soeben fertig geworden.

 

Bill:
Oh Mann, was für eine Arbeit. Ich hab doch von Anfang an gesagt, dass das eine dumme Idee ist.

 

Dreht sich zu Tony um, der gemütlich auf der Couch schläft. Bill nimmt sich ein Kissen und wirft es Tony an den Kopf.
Tony erwacht.

 

Tony:
Oh, echt mal ein gutes Gefühl keine Waffe an den Kopf zu bekommen. Bill, verstehst du warum die eine Waffe haben, wenn sie damit nur auf mich einprügeln? Das ist doch Verschwendung. 
 
Bill:
Sei doch froh. Oder wolltest du, dass sie dir jedes Mal eine Kugel verpassen wenn du Schwachsinn gelabert hast? Glaub mir, dann wärst du schon längst tot.

 

Bills Wecker klingelt.

 

Bill:
Na toll, ich muss auf Arbeit.
(übergibt Tony den Artikel)
Hier bring das zum Chef, ich will das das über den Tag schon mal im Internet steht und morgen dann in jeder Tageszeitung.
 
Tony:
Versprochen....Was auch immer ne Tageszeitung ist.

 

Bill und Tony machen sich auf den Weg.
 
INNEN – KINDERGARTEN – FRÜH 

 

Bill, Nora und der Großteil der Kinder, sitzen an einem großen Tisch und basteln.

 
Nora:
Bill, heute Abend ist ja hier das große Indianer-Fest und ich wollte dich fragen ob es ein Problem wäre das du uns Gesellschaft leistest.
 
Bill:
Wird das dann als Überstunden von meinen Sozialstunden abgezogen oder verschwende ich damit wertvolle Alkoholrauschzeit?
 
Nora:
Es wird dir selbstverständlich gutgeschrieben.
 
Bill:
Dann ja.

 

Gerd der ebenfalls am Tisch der beiden sitzt, übergibt Nora einen Stofffetzen.

 

Nora:
(schaut es sich genau an)
Gerd, ich muss dir echt sagen, das ist wirklich ein sehr schönes Häschen.

Gerd:
Das ist kein Häschen, das sind die geografischen Umrisse der ehemaligen Sowjetunion.
 
Nora:
Oh, jetzt erkenn ich es erst.
(dreht den Stofffetzen herum)
 
Gerd:
(angepisst)
Du hälst es falsch herum.
 
Bill:
(schaut Gerd an)
 Was soll das hier eigentlich werden? Du bist der intelligenteste Mensch hier im Raum und verschwendest deine Zeit mit diesem Mist. Du hättest in den letzten Jahren, als du dir hier den Arsch abwischen lassen hast, schon sonst was für Entdeckungen machen können. Aber nein, du verkriechst dich hier, wie ein…wie ein…
Wie ein Kriechtier.

 

Gerd fängt mit heulen an und rennt aus dem Zimmer.

 

Nora:
Wieso musst du mit dem Kleinen so hart umgehen?

Bill:
(fassungslos)
Mit dem Kleinen? Der Typ ist ein Jahr älter als ich.
 
Nora:
Das ist doch nicht das Thema, sei doch einfach ein bisschen tolerant.
 
Bill:
Ich bin doch tolerant. Ich hab bis jetzt nicht einmal die Bullen gerufen, obwohl mein kolumbianischer Nachbar, ein chemisches Drogenlabor besitzt und die Ware in ganz Europa vertickt.
 
Nora:
Woher weißt du das?
 
Bill:
Weiß ich nicht, aber er ist Kolumbianer und sieht meist ziemlich durch den Wind aus. Also siehst du, ich bin tolerant.

Nora:
(entsetzt)
Was?
Das ist keine Toleranz. Das sind rassistische Vorurteile.
 
Bill:
Ich bin also ein Rassist? Dann erklär mir mal, warum in deiner Kindergartengruppe nur weiße Kinder sind?
 
Nora:
(schaut sich um)
Das ist reiner Zufall.
 
Bill:
Wahrscheinlich genauso ein Zufall, wie wenn mein Nachbar ständig hektisch aus dem Fenster schaut, wenn ein Polizeiwagen vorbeifährt.
 
Nora:
Weißt du was? Dann ist er eben ein Drogenboss. Mir doch egal. Zeig ihn doch an.
 
Bill:
Nein, nein. Vielleicht brauch ich ihn ja noch mal.

 

Bill hat die ganze Zeit, während des Gespräches, an etwas gebastelt.

 

Bill:
So fertig.

 

Er schmeißt Nora eine große Fellwurst entgegen, welche sie jetzt in die Hand nimmt und sich wundert.

 

Nora:
Was ist das denn?
 
Bill:
(grinst dreckig)
Dreimal darfst du raten. Aber ich geb dir einen Tipp. Es ist die Originalgröße.
 
Nora:
(schaut sich das Ding an)
Was?
 
Bill:
Das ist ein KeinEiDödel.

Nora:
(lässt es angerwidert fallen)
Wie bitte? Willst du mich verarschen?
(stößt das Ding mit einem Zirkel von sich)
Du bist widerlich.
 
Bill:
(nimmt es an sich)
Hey, damit muss man zärtlich umgehen.
Außerdem ist der nur aus Plüsch, daran ist nichts eklig.
 
Ulfried:
(sitzt ebenfalls am Tisch)
Darf ich auch mal anfassen? Das sieht aus wie ein Wurm.
 
Nora:
(herrscht ihn an)
Nein, das fässt niemand an.
Bill du lässt das Ding sofort verschwinden. Bevor einer der Eltern das Ding noch sieht und das Jugendamt informiert.

 

Es klopf an der Tür zum Spielzimmer. Bill versteckt das Ding. Es ist der Vater von Emma Tiger. Er hat braune Haare und grüne Augen.
Sein Name ist Andreas Christ und er trägt modische teure Markensachen.

 

Nora:
Emma, dein Vati ist hier.
 
Emma Tiger:
(Sitz am Tisch mit Bill und albert herum)
Och nö.

Nora:
Los komm, du willst ihn doch nicht warten lassen.
(läuft hinüber zu dem Vater von ihr)
 
Andreas:
Hallo Frau Schirmer. 
Ich glaube wir hatten noch nicht das Vergnügen.
(reicht ihr seine Hand und küsst sie auf die Wange)
 
Nora:
(völlig von ihm hin und hergerissen)
Oh, danke. Sie können mich gern Nora nennen Herr Christ.
 
Andreas:
Nora, was für ein wunderschöner Name. Sie können mich Andy nennen Andy Christ.
(zwinkert ihr zu)
 
Bill:
(ruft von hinten)
Anti-Christ? Das passt ja.
 
Andy:
(schaut abfällig zu Bill hinüber)
Wer ist denn dieser Spaßvogel?
 
Nora:
Ach der. Das ist Niemand. Er muss hier Sozialstunden ableisten und dann sind wir ihn wieder los.
 
Andy:
So ein Wicht. Ich mache so eine Arbeit als Freiwilliger jedes Jahr zwischen meinen Filmen.
 
Nora:
Ich liebe alle ihre Filme Herr Christ. Aber am besten gefiel mir immer noch „Panta, Panta“.

 

Zeigt ihm gleich das dazugehörige BluRay Cover. Auf dem Cover sieht man Andy Christ, halbnackt auf einem Panda reiten, wie er andere Pandas jagt. Er hat einen großen Speer in der Hand.

 

Nora:
Außerdem fand ich „Wo ist Frederic“ gut.

 

Zeigt erneut das Cover. Auf dem Cover, sieht man mehrere tausend Leute und in der Mitte sehr offensichtlich, sieht man Andy Christ.

 

Andy:
Dann wird ihnen mein neuer Film, der nächstes Jahr in die Kinos kommt, auf jeden Fall auch gefallen.

Nora:
Oh, um was geht es denn?
 
Andy:
Ich übernehme die Rolle eines arroganten, reichen Typen dem Karriere wichtiger ist als alles andere.
 
Bill:
(lacht)
Das wird ihnen ja nicht schwer fallen.
 
Andy:
Aber als plötzlich meine Tochter entführt wird, muss ich mich entscheiden. Entweder sie zu befreien und die 1000 Euro Lösegeld zahlen, oder an einem Golfturnier für den Weltfrieden, mit der Bundeskanzlerin teilzunehmen. Das wird echt die Komödie des Jahres.
(fasziniert sich selbst)
Aber der Knaller daran ist, das basiert alles auf einer wahren Geschichte.
Und ich nehme noch etwas vorweg, es kommen auch dort wieder ein paar Panda´s drin vor. 
 
Bill:
(schaut Emma Tiger an)
Was für ein Müll.
(steckt sich als Spaß den Finger in den Mund)
 
Emma:
(lacht)
Ich weiß. Ich würde viel lieber jetzt hier bleiben und spielen. Stattdessen fangen wir morgen an zu drehen.
 
Bill:
Aber du kannst uns doch besuchen kommen, oder?
 
Emma:
Eher nicht, wir drehen in Irland. Mein Vati meint, dann wirkt die Geschichte realistischer. Wie beim Herrn der Ringe.
 
Bill:
Das hört sich selbst für mich dumm an und ich hab mit 12 angefangen meinen Körper an einen Dauerrausch zu gewöhnen.
 
Andy:
(ruft erzürnt)
Emma Tiger kommst du jetzt endlich. Zeit ist Geld.
 
Emma:
(traurig)
Ich muss dann los.
 
Bill:
Ich werde dich niemals vergessen Emma.
Emma grinst.
 
Bill:
(grinst ebenfalls)
Du weißt, dass ich dich spätestens übermorgen vergessen habe.
 
Emma:
(lacht ein bisschen)
Ja, das weiß ich doch. Mach’s gut.

 

Bill drückt sie und verabschiedet sich von ihr.
Emma verschwindet mit ihrem Vater, kurz bevor der Vater jedoch geht, drückt er Nora einen kleinen Zettel in die Hand. Bill beobachtet alles. Er schaut Emma noch traurig am Fenster hinterher. Lars kommt hinzu. 

 

Lars:
Hey Mann. Ich weiß ja nicht, ob dir das hilft. Aber Ulfried versucht gerade seinen alten Rekord zu brechen, innerhalb einer Minute so viele Würmer wie es geht zu verputzen.
 
Bill:
(sieht Lars an)
Danke Lars. Aber selbst das hilft mir gerade nicht.
(dreht sich zu Nora um)
 
Nora:
Bill, es gibt eine kleine Planänderung. Der Indianerabend muss heute leider ausfallen.

 

Alle Kinder ärgern sich lautstark.

 

Bill:
Was? Warum das denn?
 
Nora:
Ein Erwachsener für so viele Kinder für einen ganzen Abend, wird wohl etwas zu stressig. 
 
Bill:
Ich versteh nicht. Ich hab doch gesagt, dass ich dabei bin.
 
Nora:
Ja, du schon. Aber mir ist da etwas zwischen gekommen.
 
Bill:
Etwas dazwischen oder jemand dazwischen?
 
Nora:
(gereizt)
Ich glaube das geht dich überhaupt nichts an, wenn ich sage dass es ausfällt, dann fällt es auch aus. Ich hätte ja Linda gefragt, aber die ist heute beschäftigt.
 
Bill:
Weiß du was? Wenn du schon mit diesem Idioten ausgehst willst, dann bestrafe nicht die Kinder dafür. Sie freuen sich doch schon so darauf. Lass mich das machen.
 
Nora:
Und wer soll deiner Meinung nach, an dem Abend als 2. Erwachsener fungieren?
 
Bill:
Ich weiß zwar nicht was fungieren heißt, aber ich weiß wer mir helfen könnte.
 
Nora:
Aber nicht Tony.
 
Bill:
(lacht los)
Tse, nein natürlich nicht Tony. Was denkst du denn?
Ich habe da jemand vollkommen Anderes im Sinn.

 

AUSSEN – KINDERGARTEN – ABEND
 
Bill sitzt mit den Kindern im Kreis, um einen großen Holzstapel. Nun kommt Tony dazu, mit einem Benzinkanister in der Hand.

 

Bill:
Ich hab gesagt, du sollst etwas zum anzünden holen für diesen Holzstapel und nicht um ein ganzes Dorf auszulöschen.

Tony:
Vertrau mir, ein paar Schlucke von diesem Wundermittel und wir werden es den ganzen Abend mollig warm haben.
(schlägt auf den Kanister)
Vertrau mir.
 
Bill:
Vertrau mir, hast du auch das letzte Mal gesagt, als wir den Film „Die Welle“ im Kino gesehen haben. Da kam ja nicht mal Wasser drin vor. Geschweige dem eine Person, die schauspielern konnte. Ich hab die ganze Zeit drauf gewartet, dass eine große Welle alle Protagonisten in den Tod reißt.

 

Tony schüttet unbeirrt den Inhalt des Kanisters in den Holzstapel. Im Gegensatz zu den beiden Erwachsenen, haben die Kinder die Gefahr erkannt und sind bereits aus dem Garten geflohen.

 

Tony:
So, und jetzt das Finale.
(zündet ein Streichholz an und schaut wie gebannt darauf)
Nicht atmen.

 

Tony wirft das Streichholz in den Stapel.

 

EINBLENDUNG - 30 MINUTEN SPÄTER

 

Vor dem Kindergarten befindet sich ein riesiges Feuerwehraufgebot. Der Garten ist komplett abgebrannt. Außer einer großen Decke an Löschschaum und Asche erkennt man nichts mehr. Tony und Bill stehen samt den Kindern, in Decken gehüllt, an einem Feuerwehrauto.
Ein Feuerwehrmann unterhält sich mit ihnen.

 

Feuerwehrmann:
So, da sind sie aber echt mit einem Schrecken 
davon gekommen. Haben sie vielleicht noch etwas vergessen, was sich auf dem Areal befunden hat?
 
Bill:
Ich glaube wir haben alles gesagt. Ach halt, warten sie. Da war noch ein von mir komplett neuerrichtetes und geschreinertes Klettergerüst, da hinten in der Ecke.
 
Feuerwehrmann:
Also meine Jungs sagen, da waren bloß die Rest eines zusammengestürzten Blockhauses. Vermutlich wurde es von den Kindern zusammengebaut, wie wir vermuten.

Bill:
(lässt sich nichts anmerken)
Ja, das haben die Kinder gebaut. Jedenfalls nicht ich, denn dann hätte es viel professioneller ausgehen und wäre nicht nach einem Tritt in sich zusammengebrochen.
 
Feuerwehrmann:
Aha. Na dann wars das auch schon.
 
Lars:
Herr Feuerwehrmann, ich habe eine Frage.
 
Feuerwehrmann:
Na was denn Kleiner?

Lars:
(zeigt in Richtung des Gartens)
Warum pullert der Feuerwehrmann dort hinten ins Feuer?
 
Feuerwehrmann:
(lacht)
Nein, der pullert nicht, dass ist.

 

Schaut sich lachend in Richtung des Feuerwehrmannes um und sieht nun entsetzt, dass er tatsächlich ins Feuer pinkelt.

 

Feuerwehrmann:
(fängt sich wieder)
Das ist…das ist…
Das ist eine spezielle Löschfunktion an den Hosen der Feuerwehrleute. Somit können wir auch die Kniehohen-Feuer, in Null Komma Nix bändigen.
(schaut erzürnt zu dem Feuerwehrmann)
 
Lars:
Cool, so eine Hose will ich zu Weihnachten bekommen.
 
Bill:
So Kinder, jetzt setzt euch alle in den Linienbus, fahrt nach Hause und erzählt euren Eltern was passiert ist. Wir sehen uns morgen in aller Frühe wieder. 
Ich hab noch etwas Wichtiges vor.
(hat eine 6-Liter-Flasche Whiskey in seiner Hand)
 
Feuerwehrmann:
(zeigt auf die Flasche)
 Steigt bei ihnen eine große Party?

Bill:
(verunsichert)
Ja, ne Party. Da kommen so 30 Leute, mit denen teile ich mir dann diese viel zu große Flasche.
 
Tony:
(nach der Flasche greifend)
Darf ich auch kommen? Nach Straftaten krieg ich immer nenn höllischen Durst.
 
Feuerwehrmann:
Was war das? Ich dachte, das waren irgendwelche Jugendliche?
 
Tony:
Oh ja. Richtig. Es waren die Jugendlichen. Sie meinten, dass sie es langsam langweilig fänden, irgendwelche Bonzenkarren anzuzünden. Tja und dann flog auch schon der brennende Benzinkanister, den sie vorher aus meinem Auto entwendet hatten… Klingt doch realistisch.

 

Der Feuerwehrmann schaut ihn vorwurfsvoll an.  

 

Ulfried:
(tippt Bill an die Hose)
Wir haben doch gar kein Geld für den Linienbus.
Wie sollen wir jetzt heim kommen?
 
Bill:
Oh man, ihr könnt aber auch wirklich gar nichts.
Los kommt mit, ich werde euch das Geld leihen.
(droht mit dem Finger)
Wenn ich es aber bis nächste Woche nicht wieder habe, dann Gnade euch Gott!

 

Laufen hinüber zu einem Geldautomaten. Der Name der Bank lautet No-Mooney. Bill steckt seine Karte hinein, eine Computerstimme antwortet ihm darauf.

 
Computerstimme:
Lieber Kunde, ihre Bank ist Pleite.
 

Bill:
(entsetzt)
Was? Schon wieder? Das ist schon das 3. Mal diesen Monat.
(dreht sich genervt um)
Los Kinder wir fahren schwarz.

 

INNEN – RESTAURANT – ABEND
 
Nora und Andy Christ sitzen in einem vornehmen Restaurant.

 
Andy:
Und da hab ich ihr gesagt, dass nächste Mal pfände ich dein Haus und dann wohnst du unter der Brücke du altes Miststück.
(lacht lautstark los)
 
Nora:
(überhaupt nicht angetan)
Aber es ist doch deine Mutter.
 
Andy:
(lacht immer noch)
Das macht es ja so lustig.

 

Nora nimmt sich einen großen Schluck Wein und schenkt sich gleich nach.

 

Nora:
Wo ist eigentlich Emma?
 
Andy:
Wer?
 
Nora:
Emma Tiger, ihre Tochter.

Andy:
Ach die. Bestimmt im Bett, oder irgendwo anders. Sie weiß ja, dass sie nur bis morgens um 4 wegbleiben darf.
 
Nora:
Sie lassen ihre Tochter allein und das bis in die Nacht?
 
Andy:
(grinst dreckig)
Na wenn sie unbedingt möchten, dass sie nicht mehr alleine ist, können wir ja schnell zu mir fahren.
Na wie klingt das?
 
Nora:
Wissen sie was? Sie widern mich an. Mag ja sein, dass sie mittelmäßige Filme drehen, aber als Vater sind sie eine einzige Niete.

 

Sie steht auf und verlässt den Tisch schlagartig. Nach einer kurzen Zeit kommt sie wieder und nimmt die Weinfalsche mit. 
Auf den Weg nach draußen stößt sie den Kellner bei Seite und betritt die Straße.

 

Nora:
(nimmt einen kräftigen Schluck)
Ich frag mich, warum ich immer an diese Vollidioten gerate, während Linda immer so ein Glück hat.

 

INNEN – SINA´S WOHNUNG – ABEND
 
Der Rapper Sina sitzt mit einer rosa Kuscheldecke auf seiner weißen Ledercouch und schaut sich dabei einen Romantikfilm an.
Er ist den Tränen nah und schluchzt.
Plötzlich klingelt es lautstark an der Tür und Sina zuckt zusammen. Er räumt hektisch die Decke weg, schaltet den Fernseher aus und setzt sich eine protzige Sonnenbrille auf. 
Er läuft zur Tür und öffnet sie, vor ihm steht nun die aufgetakelte Linda.

 

Sina:
Grüß dich Kleines.
 
Linda:
(schaut ihn sich von oben bis unten an)
Kleines? Ich bin größer als du.
 
Sina:
(locker auf ihre Schuhe zeigend)
Aber nur weil du Hochhackige Schuhe trägst.

Linda:
(schaut auf seine Schuhe)
Du tragischer Weise aber auch.

 

Das Bild zeigt Sina auf Schuhen mit breiten Absätzen.

 

Sina:
(peinlich berührt)
Das sind Männerschuhe, das ist der neuste Trend aus Amerika. Dort tragen alle Gangster so was.
 
Linda:
Ganz ehrlich? Auch wenn ihr deutschen Hip Hopper sonst wirklich alles von den Ammis kopiert, glaub ich dir das nicht.
 
Sina:
Die Frau im Laden hat gesagt, das wäre der letzte Schrei dort drüben.
 
Linda:
Das war wahrscheinlich dieselbe Frau, die dir zu dem Poster da geraten hat.

 

Linda zeigt auf ein riesiges Poster, welches über dem Bett von Sina hängt. Auf diesem ist der Rapper Odis komplett nackt abgebildet, aber seine Maske hat er in den Händen über dem Schritt.

 

Sina:
Das war ein Geburtstagsgeschenk.
 
Linda:
Das macht es auch nicht besser.
 
Sina:
(leicht genervt)
Willst du nun rein kommen?
 
Linda:
(betritt die Wohnung)
Wow. Ich war noch nie in der Wohnung einer Berühmtheit, also bis auf der Wohnung von diesem einem verrückten Triebtäter. 
Aber der zählt weniger in die Kategorie Berühmtheit und mehr in die Kategorie B-Promi.

 

Linda setzt sich auf einen Ledersessel. Sina kommt aus der Küche, in einer Hand hat er ein Bier, in der anderen einen Martini. 

 

Linda:
(erfreut)
Oh, ein Martini, genau das richtige.
 
Sina:
(wollte ihr schon das Bier reichen, aber übergibt dann mit erboster Mine den Martini)
Richtig, und ich trinke dieses leckere
(schaut auf das Etikett)
Pils.
(schüttelt sich bei dem Wort Pils)
 
Linda:
So, wie läuft´s mit der Hip Hop Karriere?
 
Sina:
Ganz gut, nächsten Monat bringen wir unsere 1. Single raus, mit dem Titel: „Autotune - Wer kein Talent hat, macht eben das". 
 
Linda:
Klingt irgendwie...wie alles andere.

Sina:
(nimmt ein Schluck Bier und verzieht sein Gesicht total)
Ich weiß und keinem fällt auf, wie hohl das alles ist. Aber so werde ich reich.

 

Plötzlich klingelt es wieder an der Tür.

 

Linda:
Erwartest du Besuch?
 
Sina:
Eigentlich nicht.

 

Geht zur Tür und öffnet sie. Dort steht der verärgert dreinschauend Odis.

 

Odis:
Wo ist sie?
 
Sina:
Was meinst du?
 
Odis:
Los sag schon, wo ist sie.
(drängelt sich an Sina gewaltsam in die Wohnung)
 
Odis
(schaut die völlig verwirrte Linda an)
Aha.
(dreht sich zu Sina)
So viel zum Thema, deine Großmutter ist zu Besuch.
Ich glaube nicht, dass dies deine Großmutter ist.
(dreht sich abrupt zu Linda um)
Oder etwa doch?
Wenn ja dann tut es mir Leid Großmutter Sina.
 
Linda:
Spinnst du eigentlich? Natürlich bin ich nicht sein Großmutter.
 
Sina:
(besänftigt ihn)
Odis.
 
Odis:
(wieder zu Sina gewandt)
Halt deinen Mund. Aus dem kommen doch sowieso nur Lügen, nichts als dreckige Lügen.
Ich dachte wir schwindeln uns nicht mehr an?
 
Sina:
Das hier hat nichts zu bedeuten.
 
Odis:
Ach wirklich? Dann schmeiß sie gefälligst raus und verbring, wie versprochen, den Abend mit mir.
 
Sina:
Hör zu Odis. Wenn das mit uns klappen soll, dann musst du mir vertrauen können.

 

Linda mischt sich ein und steht auf.

 

Linda:
Wisst ihr was Jungs? Darauf hab ich keinen Bock.
Ich wollte bloß ne schnelle Nummer mit nem Araberhengst abziehen und vielleicht ne ungewollte Schwangerschaft davon tragen. Aber das hier ist mir zu blöd.

 

Linda stürmt aus der Tür hinaus.

 

Sina:
Kein Wunder das uns alle für herzlose Proleten halten, wenn eine Frau nie länger als eine Stunde bei uns verbleibt.


INNEN – BILLS WOHNUNG – NACHT

 

Bill liest das Buch „Feuchtgebiete“. Neben ihm steht die 6-Liter-Flasche Whiskey, mit einem großen Strohhalm darin. Die Falsche ist halb leer.
Doch plötzlich klingelt es an der Tür. Er legt das Buch bei Seite.

 

Bill:
(zu sich selbst)
Das Buch ist echt nur halb so eklig, wie die Autorin.

 

Er öffnet die Tür und vor ihm steht die völlig betrunkene und traurige Nora.

 

Bill:
(rechtfertig sich sofort)
Hey, es war definitiv nicht meine Schuld. Du musst mir glauben, es waren diese verarmten Teenies… und Tony war auch nicht da.
 
Nora:
(lallt)
Was?

Bill:
(beruhigt)
Ach du bist gar nicht deswegen hier? Was ist denn los?
 
Nora:
Darf ich rein kommen Till ähhh Bill?
 
Bill:
Ja klar, komm doch rein. 

 

Betreten beide das Wohnzimmer.

 

Bill:
Du hast echt Pech, die Party ist gerade zu Ende gegangen. Weswegen auch die Whiskeyflasche so leer ist.  

 

Nora reagiert überhaupt nicht auf ihn und legt sich auf die Couch.

 

Nora:
Der Abend mit Andy war echt das Leben.
 
Bill:
(setzt sich neben sie)
Ein Abend mit dem Antichrist verspricht ja auch nur eine Katastrophe.
 
Nora:
Da wäre ich lieber bei dir und den Kindern gewesen.
 
Bill:
(überlegt kurz)
Nein, ich glaube eher nicht.
 
Nora:
Doch was wäre ich. Denn ihr bringt mich zum Lachen und in deiner Gegenwart macht mir selbst dieser beschissene Job Spaß.
 
Bill:
Ich dachte dir gefällt dein Job?
 
Nora:
Willst du mich verarschen? Ständig heulende, anhängliche und weinerliche Wichte die nichts machen was ich sage. Ganz ehrlich, ich wollte eigentlich Bestatterin werden, die halten dort wenigstens die Klappe.
 
Bill:
Oha. Das ist ja interessant.
 
Nora:
Ja ich weiß. Ich bin ein Monster.
 
Bill:
Nein, bist du nicht. Du bis eine sehr gute Kindergärtnerin. Die Kinder lieben dich und ich finde du machst deinen Job vorzüglich. Ich kenne niemanden der das besser machen könnte.
(überlegt kurz)
Na gut. Ich kenn ja auch nur Alkoholiker, EX-Knackis und Tony.
Der glaube ich, ne Mischung aus beidem ist.
 
Nora:
Das ist echt nett von dir.
 
Bill:
Es ist die Wahrheit.

 

Bill schaut zu der Whiskey Flasche die direkt hinter Nora steht, er leckt sich die Lippen voller Vorfreude.
Er beugt sich langsam nach vorn, um die Flasche zu erreichen. Jedoch interpretiert Nora dies anders, als Bill sehr nah an ihrem Gesicht ist, küsst sie ihn.
Beide schauen sich in die Augen, küssen sich weiter und das Bild verschwimmt.

 
 

INNEN – BILLS WOHNUNG – MORGEN
 
Bill und Nora liegen halbnackt im Bett. Plötzlich wird Nora langsam wach. Sie schaut sich kurz irritiert um und stellt entsetzt fest, dass sie in der Wohnung von Bill ist.
Sie steht langsam auf und sucht ihre Sachen, da sie diese nicht findet, geht sie nackt in das Bad von Bill. 
Als sie die Tür des Badezimmers nicht zu bekommt, geht sie trotz geöffneter Tür auf die Toilette. Sie beobachtete Bill, ob er wach wird.
Erst als sie mitten in ihrem Geschäft ist, wird Bill langsam wach. Bill und Nora schauen sich entsetzt an.

 

Bill:
Was wird das denn?
 
Nora:
(peinlich berührt)
Die Tür ist kaputt.
 
Bill:
Ja ich weiß. Die Toilette aber auch.
 
Nora:
Was?

 
In diesem Moment kracht die Toilette in sich zusammen und Nora landet auf dem Boden.
 
 
INNEN – TAXI – DER SELBE MORGEN

 

Nora:
(etwas geistig abwesend)
Wir sollten das alles nicht all zu überbewerten.
Das kann doch jedem Mal passieren.
 
Bill:
Richtig, so was passiert mir ständig.
 
Nora:
Schließlich waren wir auch beide sturzbetrunken.
 
Bill:
Bei mir ist das zwar nichts Außergewöhnliches, aber das es passiert ist, hat nichts zu bedeuten.  
 
Nora:
Genau.
 
Bill:
Oder?
 
Nora:
(energisch)
Ja, natürlich. Wir sollten das ganze vergessen.

 

Das Taxi kommt am Kindergarten an. Beide steigen aus und betreten das Gebäude.
Es befinden sich bereits einige Kinder im Spielzimmer.

 

Nora:
Wer hat euch denn rein gelassen?
 
Lars:
Bill hat uns den  2. Schlüssel überlassen, für den Fall das ihr eines Tages doch im Bett landet und zu spät auftaucht.
 
Nora:
(empört zu Bill schauend)
Wie bitte? Wie konntest du so etwas machen und viel schlimmer, wie konntest du davon ausgehen das etwas zwischen uns passiert?
 
Bill:
Ich bitte dich, das war doch für jeden vorhersehbar.
Selbst für den Taxifahrer der nicht mal eine Sprechrolle hatte.

Lars:
Ich hätte aber drauf getippt das es auch ohne Alkohol passiert.

 

Nora schaut entsetzt zu dem grinsenden Bill, nach einer Weile schlägt sie ihm auf den Arm.

 

Bill:
Was denn? Ich hab ihm eine Whatsapp geschickt.

 
Zeigt das Foto auf seinem Handydisplay. Auf diesem liegt die sabbernde Nora, halbnackt in Bettlaken gehüllt, auf Bills Bett. 
 

Bill:
Keine Angst, die restlichen Fotos hab ich nicht gesendet.
 
Nora:
Schon dieses eine Foto war zu viel.
 
Bill:
Jetzt beruhig dich doch mal, die verstehen das sowieso nicht.
 
Ulfried:
Hast du wie eine Hyäne gejault?

 

Bill und Nora schauen Ulfried fassungslos und sprachlos an.
 
KURZER UMSCHNITT – BILL UND NORA IM NEBENZIMMER

 

Nora:
Wenn das klappen soll, muss das ab sofort anders laufen.
 
Bill:
(verständnislos)
Wie anders? Anal?
 
Nora:
(schlägt ihm erneut auf den Arm)
Nicht so. Du musst dich ändern.
 
Bill:
Ändern? Ich hab fast 30 Jahre gebraucht um das zu sein, was ich jetzt bin.
 
Nora:
Du musst dich entscheiden. Ich, oder dein altes Leben, voller verkotzter Möbel und einer fünften Leber.
 
Bill:
Erstens 4. Leber. Und wie lange hab ich Zeit zum überlegen?

 

Nora schaut ihn nur wartend an, da sie sofort eine Entscheidung von ihm möchte.

 

Bill:
(genervt)
Von mir aus. Dann eben Du.
 
Nora:
(fällt ihm glücklich um den Hals)
Danke Bill, das wirst du nicht bereuen.
 
Bill:
(nicht davon überzeugt)
Na wenn du es sagst.
 
Nora:
Und, wie sieht es morgen bei dir aus?
 
Bill:
Sex können wir auch gleich hier haben.
(öffnet seine Hose)
 
Nora:
(hält ihn auf)
Warte kurz, lass uns das auf heute Abend verschieben. Wenn nicht mehr die Gefahr besteht, dass du am Ende fälschlicherweise wegen Pädophilen-Aktivitäten in einem Kindergarten festgenommen wirst.

Bill:
Du hast Recht. Das wäre sonst wie in dem einen Film, den ich letztens gesehen habe. Da saß einer in einem Auto, vor ‘nem Kindergarten und um die Verbrennung in seinem Schritt zu löschen, hat er sich dort Sahne hingeschmiert.
 
Nora:
Das war kein Film, das ist dir letztens erst passiert.
 
Bill:
(überlegt)
Oh, richtig. Und als ich letztens von einem Schwulen Geist in ‘nem Schloss belästigt wurde, das war ein…?
 
Nora:
Das klingt sehr nach Hui Buh.
(Bill nickt)
Also treffen wir uns heute Abend beim Italiener?
 
Bill:
Da geh ich, seitdem die bei der WM 2006 beschissen 
haben, nicht mehr hin.

Nora:
Dann zum Franzosen?
 
Bill:
Auch nicht, die haben bei der Qualifikation für Südafrika betrogen.
 
Nora:
(genervt)
Vielleicht zu einem Spanier?
 
Bill:
Nein, die haben uns 2-Mal besiegt.
 
Nora:
(verliert die Nerven)
Also in ein deutsches Restaurant?
 
Bill:
(freut sich)
Ja, das sind die Guten. Das Essen schmeckt zwar zum kotzen aber ich hab nicht ständig das Bedürfnis einen Molotow-Cocktail zu bauen und das ganze Lokal abzufackeln.
Apropos abfackeln, warum steht hier wieder alles, ich dachte das Ding hier wäre abgebrannt.
 
 
Nora:
Was? 
 
Bill:
Ach nichts.
(schaut sich verdächtig um)
 
Nora:
Also, dann bis heute Abend 19 Uhr gegenüber im Restaurant.
 
Bill:
Klaro.

 

INNEN – RESTAURANT – ABEND
 
Wir sehen die völlig entnervte Nora am Tisch eines schönen Restaurants sitzen. Sie hat sich ein elegantes rotes Abendkleid angezogen, die Haare zu einer schönen Hochsteckfrisur zu Recht gemacht und sich diskret geschminkt.
Sie schaut auf die Uhr, welche bereits 21 Uhr anzeigt.
Ein letzter Blick fällt zur geschlossenen Tür, worauf sie die Tischserviette nimmt, sie verärgert auf den Tisch wirft und das Restaurant verlässt. Draußen angekommen schnappt sie Luft.
Noch völlig enttäuscht, nimmt sie plötzlich lautes Gelächter und Gebrüll von 2 Männern wahr. Sie verlässt die Eingangszone des Restaurants und betritt die Gasse hinter dem Restaurant.

 

Nora:
Bill?

 

Auf dem Boden liegt Bill, der sich mit einem anderen Mann auf dem Boden durchkitzelt. Beide sind sichtlich angetrunken und haben eine Menge Spaß.

 

Bill:
(beschwipst)
Cora?
 
Nora:
Was machst du hier und vor allem mit wem?
 
Bill:
Ich trinke 1 oder 2 Bierchen mit Tony, bevor wir uns dann in 2 Stunden zum Essen treffen.
 
Nora:
Zum einen, bist du bereits über 2 Stunden zu spät und zum anderen ist das nicht Tony.

 

Bill schaut den bärtigen Mann, den er gerade durchkitzelt, genauer an. Es ist ein alter, versiffter Penner.

 

Bill:
 Hey, aber du hast doch gesagt, du seist Tony!?
 
Penner:
(lallend)
Für eine Pulle Rum, bin ich alles für dich mein Jungchen.
 
Bill:
(lacht)
Cool, dann sei mal einer vom Switch Reloaded Team.

Penner:
(ernst)
Würde ich gerne, aber ich weiß nicht wie man geistig Zurückgebliebene spielt.
 
Nora:
(mischt sich ein)
Du bist echt das Letzte Bill.

 

Nora verschwindet, mit Tränen in den Augen aus der Gasse und rennt nach Hause.

 

Penner:
Da hast sie Recht, du bist echt das Letzte.
 
Bill:
(ignoriert den Penner)
Oh Man, wenn ich nicht so betrunken wäre, dann würde ich ihr hinterherlaufen. Aber…

 
Bill rafft sich langsam auf.
 

Bill:
(voller Elan)
Für die Liebe.

 

Er rennt lautstark los, geradewegs in einen Haufen von Mülltonnen und bleibt regungslos liegen.

 

AUSSEN – AN EINEM SEE – MORGEN
 
An einem ruhigen und abgelegenen See, sitzt die völlig traurige Nora. Sie greift in einen Beutel und bewirft dann die Enten und Schwäne mit Steinen.

 

Nora:
Wenn ich nicht glücklich sein kann, dann dürft ihr das auch nicht.

 

Plötzlich klingelt ihr Handy. Erst nach einer Weile nimmt sie völlig entnervt ab.

 

Nora:
Wer ist da?
 
Lars:
Hallo Frau Schirmer, sind sie da?
 
Nora:
Lars? Was willst du von mir?
 
Lars:
Wir brauchen hier im Kindergarten ihre Hilfe.
 
Nora:
Lars, ich habe euch doch erklärt, dass ich eine Auszeit nehme und mich ausruhen muss. Wende dich an die Vertretung.
 
Lars:
An die Vertretung? Die ist ja das Problem.
Sie schlägt uns Nora.

 

Während dieses Telefonats hört man bei Lars eine Person ins Zimmer stürmen.

 

Lars:
Oh nein, da kommt sie, sie hat mich gefunden. Helfen sie uns.

 

Es ertönen nur noch Schläge und Lars der schreit. Dann bricht die Verbindung abrupt ab. 
Nora springt sofort auf und rennt zu ihrem Auto.
 
INNEN – KINDERGARTEN - MORGEN
 
Lars hat das Telefon in der Hand und legt auf. Er dreht sich grinsend zu Bill um.

 

Lars:
Sie hat‘s geschluckt.
 
Bill:
(freut sich)
Sehr gut kleiner Junge.
 
Lars:
(reibt sich seinen Oberarm)
Aber du hättest mich nicht echt schlagen müssen.
 
Bill:
Es muss doch realistisch klingen.
(hebt seine Faust)
Oder soll ich den Gegenschmerz ausüben?
 
Lars:
(hält seine Arme nach oben)
Nein, nein. Es geht schon wieder.
 
Bill:
Sehr schön. Dann wird’s jetzt ernst Mädels und Jungs.

 

Es klingelt an der Tür. Alle schauen entsetzt zu dieser.

 

Bill:
Das kann sie doch noch nicht sein, oder?

 

Gerd öffnet langsam die Tür. Als sie ganz auf ist, steht dort Emma Tiger.

 

Bill:
(erfreut)
Emma! Was machst du denn hier?
(geht auf sie zu und umarmt sie)
 
Emma:
(verwundert)
Du hast dir meinen Namen ja doch gemerkt?
 
Bill:
Ich hab da so nen Trick. Für neues Wissen, muss ich nur etwas altes verdrängen und ersetzen. Jetzt weiß ich bis ans Lebensende deinen Namen,… aber dafür nicht mehr meinen Pincode.
Aber was machst du eigentlich hier?
 
Emma:
Mein Vater hat meine Rolle durch ein anderes Mädchen ersetzt welches ihm ähnlicher sieht. Er meint, keiner der Zuschauer würde glauben, dass ich seine Tochter wäre.
 
Bill:
Das macht Sinn.
 
Emma:
Nein macht es nicht. Aber er meinte auch, dass ich ab sofort bei dir wohnen kann, wenn ich will. Denn wenn ich keinen Profit abwerfe, bin ich bloß nerviger Ballast.
 
Bill:
(negativ überrascht)
Oh, das ist aber eine nette Überraschung. Toll dass du das einfach mal so über meinen verschuldeten Kopf hinweg entschieden hast, du kostenintensives Accessoires.
 
Emma:
Ist das denn ein Problem?
 
Bill:
Nein, nein. Das geht schon in Ordnung.

 

Lehnt sich langsam zu Lars hinüber.


Bill:
(flüstert)
Sag mal, gibt’s auch eine Babyklappe für 5-jährige?
 
Lars:
Nein.
 
Bill:
Verdammt.

 

Mit einem falschen lachen, dreht er sich wieder zurück zu Emma.

 

Bill:
Alles bestens meine Kleine.
(klatscht in die Hände)
So, aber jetzt ran an die Arbeit. 

 

AUSSEN – NORAS AUTO – TAG
 
Nora hält direkt vor dem Kindergarten und springt aus ihrem Wagen.
Sie hastet zur Tür, öffnet diese und findet nichts im Haus.
Als sie jedes Zimmer durchsucht hat, kommt sie als Letztes im Garten an.
In diesem ist eine große Bühne aufgebaut. Vor dieser sitzen alle Kinder der Gruppe.
Neben ihr tauchen Lars und Emma auf.

 

Lars:
Folgen sie uns bitte Frau Schirmer.
 
Nora:
Was ist denn hier los?
 
Emma:
Das werden sie gleich sehen.
 
Ulfried:
(schreit aus dem Hintergrund)
Bill will dich mit einem Stück überraschen und dein Herz zurückgewinnen.
 
Bill:
(streckt seinen Kopf nach drausen)
Stopft diesem Dummkopf das Maul.
 
Emma:
(zieht an Noras Arm)
Los, jetzt kommen sie schon. Es geht gleich los.
 
Nora:
(lässt sich ziehen)
Na gut, na gut. Ich komm ja schon.

 

Nora nimmt Platz, alle Kinder werden ruhig und ein Scheinwerfer wird auf die Bühne geworfen. Nora ist jetzt schon sichtlich beeindruckt von der Lokation.
Nun betritt Bill, als riesiger „KeinEiDödel“ die Bühne.

 

Bill:
Nora, falls du mich nicht erkennst ich bin´s…
 
Ulfried:
(völlig überdreht)
Es ist Bill.
 
Bill:
(schaut zornig zu Ulfried)
Letzte Chance Ulfried, halte deinen Mund.

 

Ulfried setzt sich vorsichtig wieder auf seinen Platz.

 

Bill:
(schaut immer noch böse zu Ulfried)
So, wo war ich. Ach ja, ich bin es…
(wartet die Reaktion von Ulfried ab und redet dann weiter)
Dein Bill. Dein Bill, der dich eigentlich nicht verdient hat, der alles fahrlässig aufs Spiel gesetzt hat und der sich für alles schämt was er dir angetan hat. Ich und mein Alkoholproblem haben dich und mich tief verletzt. Doch dieser Teufel ist für mich Geschichte.

 

Es ruckelt kurz hinter der Bühne und nun betritt Tony, verkleidet als eine große Bierflasche, die Bühne.

 

Tony:
Ach wirklich? Ist er das?
Hättest du nicht wieder Lust, deine 5 Sinne auf einen Schlag zu verlieren? Oder total dicht in einem Puff aufzutauchen, ohne einen Cent in der Tasche zu haben? Oder in deiner verkrusteten Kotze aufzuwachen? Wir hatten doch so viel Spaß, wirf das nicht alles über Bord. Ich bin immer noch dein bester Freund, zu jeder Zeit, an jedem Ort. Na was sagst du?
(reicht ihm eine Flasche Bier)
 
Bill:
(verärgert)
Tony, was soll das werden? Wer hat dich eingeladen? Und wo hast du das Kostüm her?
 
Tony:
Heute ist Donnerstag, da trage ich das immer. Außerdem habe ich von deinem peinlichen Auftritt gehört und bin hier, um dich aufzuhalten. Sag mal, bist du noch ganz dicht? Dem Alkohol die Schuld zu geben,  dass ist keine Lösung.

Bill:
Du machst das ganze hier total kaputt. Verschwinde von der Bühne und zwar sofort.
 
Tony:
Ach ja? Was willst du denn machen, wenn ich nicht gehe?
 
Bill:
So, wie ich dich kenne, hast du im Moment mindestens 2 Promille Intus, also…

 

Bewegt sich schnell auf ihn zu und schupst ihn vorsichtig nach hinten. Tony verliert sofort das Gleichgewicht und fällt hinter die Bühne. Man hört wie es laut klirrt.

 

Tony:
(brüllt vor Schmerzen)
Meine inneren Organe.
 
Bill:
(wendet sich wieder Nora zu)
Nora, es tut mir Leid.

 

Er schaut in die Menge der Kinder, doch kann Nora nicht entdecken. Sie muss in der Zeit gegangen sein, als er sich mit Tony gestritten hat. Als er gerade geknickt von der Bühne gehen will, kommt Nora von der Seite auf die Bühne gelaufen.
Bill dreht sich um, da die Kinder alle laut rufen.
Als er sich umdreht, packt Nora ihn und gibt ihm einen heftigen langen Kuss.

 

Das Bild wird kurz Dunkel.

 
2 JAHRE SPÄTER
 
INNEN – SCHLAFZIMMER - TAG
 
Man sieht in einem gemütlich eingerichteten Schlafzimmer Bill in einem großen Bett liegen. Es ist hell draußen, er jedoch befindet sich laut schnarchend im Tiefschlaf. In diesem Moment wird die Tür lautstark aufgerissen und Nora steht wutentbrannt in dieser.
Bill lässt sich nicht stören und schläft weiter.
Nora räuspert sich um Bill’s Aufmerksamkeit zu bekommen, jedoch ohne Erfolg. 
Auch beim zweiten und dritten räuspern regt sich Bill nicht. Erst beim vierten Mal schlägt er genervt die Augen auf.

 

Bill:
Was… ist? Nora kann ich dir ein Mentholbonbon anbieten?
 
Nora:
(spöttisch)
Wieso denn?
 
Bill:
Du nervst! Kann man nicht mal an einem Samstagmorgen in Ruhe ausschlafen?
 
Nora:
Zunächst mal ist heute Dienstag und zum anderen ist es 15 Uhr und du hast versprochen was im Haushalt zu machen.
 
Bill:
Ich hab Urlaub.
 
Nora:
Du bist Arbeitslos.
 
Bill:
Momentchen mal, arbeite ich nicht in diesem einem Kindergarten von dem du mir erzählt hast?
 
Nora:
Nein. Du hast nicht mal deine Sozialstunden zu Ende abgeleistet und bist mehr oder weniger auf der Flucht.
 
Bill:
(sarkastisch)
Seltsam, das klingt so gar nicht nach mir.

 

Nora zieht Bill die Decke weg und sperrt die Fenster auf.

 

Bill:
Was soll der Mist mach das Fenster zu?!
 
Nora:
Wir lassen ein wenig frische Berliner Luft rein.
 
Bill:
Aha. Und was ist so frisch an diesem Smog da draußen? Da ist ja in Shanghai bessere Luft.
 
Nora:
Fang jetzt nicht wieder mit Shanghai an und hilf mir bei der Hausarbeit.
  
Bill:
Oh man, wo ist der Typ mit der Glatze wenn man ihn mal braucht.

Nora:
(entsetzt)
Wie bitte…?!
 
Bill:
Nicht die Glatze. Ich rede von Meister Broppers.
 
Nora:
Der ist Tod. Über 20 Jahre konnte er dem frischen Duft seines Bodenreinigers wiederstehen, doch dann hat es ihn letze Woche übermannt und er trank eine Flasche auf Ex.
 
Bill:
(zieht sich eine Jogginghose an)
Tja, jetzt ist er tatsächlich durch und durch rein.
Also gut was soll ich zuerst machen?
 
Nora:
Die Einwegpfandflaschen müssen weg.
 
Bill:
(triumphal)
Schon längst erledigt.
 
Nora:
(verblüfft)
Oh, na super. Dann kannst du gleich anfangen die Fenster zu putzen.
 
Bill:
Geht nicht. Ich bin nicht schwindelfrei.
 
Nora:
Bist du nicht damals mit Tony auf ein Dach geklettert um schwule Rapper zu fotografieren?
 
Bill:
(korrigierend)
Angeblich schwul, sie haben uns glaubwürdige Beweise vorgelegt, dass sie es nicht sind. 
(überlegt kurz)
Was ist eigentlich aus diesem Handlungsstrang geworden? Die ganze Geschichte hatte im Nachinein null sind. Was zwar nicht untypisch für deutsche Filme ist, aber trotzdem merkwürdig.
(zuckt mit den Schultern)
Na ja egal, aber wenn ich was im Haushalt machen soll, bräuchte ich vielleicht einen Mutmacher.
 
Nora:
Also gut, dann trink…Augenblick mal. Netter Versuch Bill, aber das kannst du vergessen. Du wolltest doch mit dem trinken aufhören.
 
Bill:
Das ist wie bei dir mit dem Sex, du nimmst dir vor nicht mehr mit mir zu schlafen, bis ich Arbeit habe, aber so bald du eingeschlafen bist, treiben wir es trotzdem eine Stunde lang.
 
Nora:
Ich hoffe das war ein Scherz. 
 
Bill:
(lacht)
Na klar war das ein Scherz, 
(fügt leise hinzu)
Meistens geht es nur ne halbe Stunde.

 

Kaum das Nora ihm den Rücken zukehrt und den Raum verlässt verfinstert sich sein Gesicht.
Er läuft zum Fernseher und schaltet ihn ein.
Er zappt durch den TV-Dschungel.

 

Bill:
Mist…Schwachsinn…anspruchslos…zu anspruchsvoll. Oh ja genau die richtige Sendung, „Richter Alexander Unhold“.

 

Der Angeklagte ist Tony der sich wild gestikulierend mit Staatsanwalt, dem Richter und den Zeugen streitet. Tony wirkt angetrunken.

 

Tony:
Zum letzten Mal, ich habe weder den Schnapsladen überfahren, noch den Kinderwagen ausgeraubt.
 
Staatsanwalt:
Herr Tony sie verdrehen die Zusammenhänge. Zunächst haben sie den Schnapsladen ausgeraubt. Nachdem sie danach, eindeutig alkoholisiert, durch Berlin Zehlendorf rasten um den Beamten zu entkommen, erfassten sie dabei einen Kinderwagen. Wie durch ein Wunder blieb das Baby unverletzt.
 
Tony:
(triumphierend)
Geehrter Rechtsverdreher zu meiner Verteidigung. Ich war mit ziemlich hoher Gewissheit, schon vor dem Schnapsraub stark alkoholisiert, den gestohlenen Schnaps hab ich niemals angerührt.

 

Alle Beteiligten sehen sich irritiert in die Gesichter.
Tonys Anwalt will ihn zur Ruhe zwingen.

 

Richter:
Herr Tony sind sie sich im Klaren das sie soeben ein Geständnis abgelegt haben?
 
Tony:
(sinnt nervös nach einem Gedanken)
Ich…ähhh… Ach verdammt. Halt warten sie, ich weiß wer es war, es war… ja, Bill Weiger war das. Er hat mit mir den Platz getauscht, noch bevor sie eingetroffen sind.
 
Staatsanwalt:
Herr Weiger hatte dieses Mal ein Alibi.
 
Tony:
(ärgert sich)
So ein verdammter Mist.
 
Reporterin:
Soeben sahen sie noch einmal die Zusammenfassung der heutigen Ereignisse im Gerichtsgebäude. Das Urteil wurde auf morgen vertagt…
 
Bill:
Ach dieser Tony immer für einen Spaß gut.

 

Bill schaltet auf einen anderen Kanal, wo eine Talkshow läuft. Auf einer Couch sitzen Odis, Sina und der Moderator Reinhold Buschmann der Sendung. Sina und Odis tragen legere Klamotten, der Moderator einen schwarzen Anzug.


Odis:
Wir sind überglücklich das wir endlich zusammengefunden haben.
 
Sina:
(ergänzt schnell)
Nur rein beruflich versteht sich.
 
Moderator:
(schmunzelt)
Aber sicher doch.
 
Sina:
Ja Mann, wir sind jetzt ein Team.
 
Moderator:
Intim?
 
Odis:
Jo Man,n das hat er doch gesagt.
 
Sina:
(boxt Odis auf den Arm)
Was soll das?
 
Odis:
(reibt sich den Arm)
Aua, was is denn?
 
Moderator:
Ärger im Paradies?
 
Sina:
Keine Ahnung aber sie können sich gleich selbst ‘nen Überblick dort verschaffen, wenn sie nicht mit ihren Doppeldeutigkeiten aufhören.
 
Moderator:
(grinst überheblich)
Um mir etwa zu zeigen wie hetero und maskulin sie sind?
 
Sina:
Korrekt erfasst, du Anzug.
 
Moderator:
Ok, kommen wir zurück zum Thema, was für ein Album haben wir von euch zu erwarten? 

Sina:
Ich denke wir können mit dem besten Album rechnen was unsere Szene je hervorgebracht hat. Wir werden allen Rappern den Arsch aufreißen!
 
Moderator:
Davon bin ich überzeugt.
Gut, das wars auch schon von unserer Sendung.
Morgen haben wir dann einen ehemaligen Gefängnisinsassen bei uns, der uns das Wetter erklärt und einen Typen der behauptet, dass es im Spiel Sudoku bis zur Zahl 99 geht. Schalten Sie ein. 

 

Bill schaltet den Fernseher genervt aus, da Nora den Raum wieder betritt.

 

Nora:
Siehst du etwa fern?
 
Bill:
(sieht unbeholfen umher)
Nein.
 
Nora:
Wo ist eigentlich die Einkaufsliste die ich dir gestern gegeben habe?

 
Bill:
Kein Problem, darum hab ich mich schon gekümmert.

 

In diesem Moment dreht sich der Schlüssel im Schloss. Lars, Ulfried und Emma betreten die Wohnung. Ulfried schleppt einen Bierkasten. Ulfried und Emma tragen jeweils zwei volle Einkaufstüten. Sie sind alle außer Atem und verschwitzt.
Bill geht Ulfried entgegen und nimmt den Bierkasten ab.

 

Bill:
Mensch Ulfried warum schüttelst du das Bier so durch?
 
Ulfried:
(hechelnd)
Entschuldigung Herr Weiger.

Bill:
(ernst)
Na gut Entschuldigung angenommen, aber nur für dieses mal.
 
Ulfried:
Kann ich bitte ein Wasser bekommen?
 
Bill:
Das Zauberwort?
 
Ulfried:
Aber ich hab doch…
 
Bill:
(unterbricht ihn)
Ich höre.

Ulfried:
(verwirrt)
Bitte?
 
Bill:
Na also geht doch. Du weißt wo der Wasserhahn ist?!

 
Nora begrüßt die Kinder herzlich.
 

Nora:
(verdutzt)
Emma Schatz, was machst du denn hier, ich dachte du bist noch im Schulhort?
 
Emma:
Da war ich auch. Aber Papa…ich meine Bill hat mir gestern Abend den Einkaufszettel und Geld mitgegeben. Er meinte das würde auf dem Heimweg liegen.

 

Nora sieht Bill finster an.

 

Nora:
Was hast du dir dabei gedacht die Kinder das alles schleppen zu lassen? Du hast ein Auto.
 
Bill:
Sicher, aber hast du dir mal die Spritpreise angesehen? Nicht mal Sina und Odis fahren mehr mit Auto. Die Kinder hingegen laufen mit Sauerstoff. Außerdem hab ich unserer Umwelt damit einen Bärendienst erwiesen. Unsere Kindeskinder werden es mir einst danken.
 
Lars:
(mischt sich ein)
Ich glaub nicht, dass sie darauf reinfällt.
 
Nora:
Tut sie auch nicht.
 
Lars:
Ich glaub auch nicht, dass sie dadurch beruhigter ist.
 
Nora:
Ist sie auch nicht.
 
Bill:
(schaut Lars böse an)
Vielen Dank! Bist du dir im Klaren, dass du mich damit ordentlich reinreitest?
 
Lars:
Allerdings.
 
Nora:
Bill so geht das nicht weiter. Du kannst die Kinder nicht ausnutzen, was wohl ihre Eltern dazu sagen würden?
 
Ulfried:
Mein Papa würde sagen, dass ich ruhig sein soll.

Bill:
Dein Vater klingt nach einem schlauen Mann.
Und jetzt Schwamm drüber, ich lade euch alle auf ein Eis ein.


Die Kinder jubeln lautstark.

Nora:
(mit hochgezogenen Augenbrauen)
Und was soll das jetzt?

Bill:
Keine Ahnung, aber machen dass nicht alle schlechten Eltern so? Zum Eis essen gehen, wenn man mit der Erziehung nicht mehr weiter weiß?

Nora:
 (will etwas erwidern, doch lässt es dann doch)
Ach du hast Recht, ab zum Eis essen.


Verschwinden jubelnd durch die Tür.


Ende


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